Ein Google für Handys
17. Januar 2008, 23:09 Von Ruedi BaumannZwei Doktoranden haben eine neue Suchmaschine entwickelt, die über die Handykamera funktioniert. Die beiden sind eines von zehn Siegerteams eines ETH-Wettbewerbs.
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Fragen und Ideen tauchen oft auf, wenn man in der Stadt unterwegs ist und nicht zu Hause am Küchentisch. Die beiden ETH-Doktoranden Herbert Bay (33) und Till Quack (29) haben eine Dienstleistung entwickelt, damit der moderne Handybenützer auf der Strasse, beim Einkaufen oder im Restaurant seine Informationsbedürfnisse stillen kann. Quasi ein Google für unterwegs. Das Einzige, was es für den Anwender braucht, ist ein internetfähiges Handy mit einer Kamera. Rückgrat des Programms ist eine clevere Bilderkennungsmethode.
Beispiele:
Fotografieren statt Maus-Klicken
«Die Anwendungsmöglichkeiten sind beliebig», sagt Herbert Bay, der Mikrotechnik studiert und in Bilderkennung doktoriert hat. Ideal eignet sich zum Beispiel ein Museum oder eine archäologische Stätte. Aus dem Handy lässt sich aber auch ein Stadtführer machen, ein Auto- oder Ferienprospekt. Man fotografiert den schönen BMW auf dem Parkplatz und erhält die technischen Daten, Preise und Secondhand-Angebote. «Durch das Fotografieren entfällt das mühsame Tippen von Texten auf dem Handy», sagt Till Quack, der kurz vor dem Abschluss seiner Doktorarbeit steht. Reale Alltagsgegenstände erhalten die gleiche Bedeutung wie ein Link im Internet, die Handykamera wird zur Maus.Kennen gelernt haben sich die beiden Tüftler an einem Treffen in Boston für talentierte Studienabgänger. In der Fachwelt sind die beiden jungen Zürcher keine Unbekannten mehr. Sie kamen 2007 schon bei der Start-up-Show im Schweizer Fernsehen in die Kränze. Medien, Handyhersteller und die grossen Suchmaschinen sind an der Bilderkennung interessiert. «Wir sind mit grösseren Investoren in Verhandlung», sagt Herbert Bay. In welschen Zeitungen («20 minutes» und Edipresse) laufen bereits Wettbewerbe und Musik-Download-Möglichkeiten mit in der Zeitung verstreuten Bildchen. «In Japan ist das Handy heute für die meisten wichtiger als der Computer zu Hause», sagt Till Quack. Die Zukunft kommt den beiden entgegen: Die Verbindungen ins Internet über Handys werden immer schneller und billiger.
Quack und Bay sind mit ihrem Projekt «kooaba» (www.kooaba.com) schon auf dem Markt und haben auch erste namhafte Kunden zu verzeichnen, etwa EMI-Music Schweiz und EasyJet. Ein Selbsttest mit einem Filmplakat und einem normalen Fotohandy hat gestern gezeigt: Die Software funktioniert. Die Datenbank beinhaltet alle aktuellen Kinoplakate. Bis das Kaufleuten und die bekannten Bordeaux-Weine programmiert sind, dauert es gemäss Firmengründer nicht mehr lange. Mit ihrer Handy-Suchmaschine verdient «kooaba» bereits Geld. Zum Beispiel mit einer Werbekampagne für Kylie Minogue.
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