Zürich

«Wir bringen den Umweltschutz auf den Parkplatz»

10. März 2008, 20:13

Indem sie Firmenparkplätze ausserhalb der Bürozeiten via Handy bewirtschaften, möchten Zürcher Jungunternehmer ausgerechnet einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Mit Alexander Schümperli* sprach Monica Müller

Herr Schümperli, Sie wollen Firmenparkplätze nach Büroschluss für Externe nutzen - und sich gleichzeitig für die Reduktion von Klimagasen einsetzen. Wie geht das?
Die Kunden- oder Firmenparkplätze sind bereits vorhanden und werden am Wochenende und nach Büroschluss ohnehin unrechtmässig benutzt. Statt dass sich eine Firma nun einfach darüber ärgert, kann sie die firmenfremden Lenker parkieren lassen, via Mobiltelefon eine Parkgebühr erheben und diesen Ertrag in CO2-Kompensationsprojekte investieren.

Das Modell basiert auf der Annahme, dass Lenker sowieso auf verbotenen Parkplätzen parkieren.
Bei den Kunden, mit denen wir bereits zusammenarbeiten, ist das der Fall. Die Parkplatznot verleitet dazu, auf verbotene Firmen- und Kundenparkplätze auszuweichen.

Fühlen Sie mit den Automobilisten, die keinen Parkplatz finden, oder sorgen Sie sich um die Umwelt?
Unser Ansatz umfasst verschiedene Faktoren. Wir haben eine Parkuhr entwickelt, die über das Handy läuft und ausser einer Tafel mit Instruktionen keine weiteren Investitionen benötigt. Zum Vergleich: Eine herkömmliche Parkuhr kostet um die 4000 Franken. Natürlich ist es den Parkplatzanbietern freigestellt, ob sie den Zusatzverdienst zu Gunsten von Klimaschutz-Organisationen wie Myclimate spenden möchten. Unsere bisherigen Kunden waren jedenfalls angetan von der Idee, die neue Parkuhr sinnvoll zu nutzen.

Die Verknüpfung Parkgelegenheiten und Klimaschutz ist doch paradox. Zusätzliche Parkplätze führen zu Mehrverkehr.
Das glaube ich persönlich nicht. Jede Fahrt startet und endet auf einem Parkplatz; ein Auto verbringt 80 bis 90 Prozent der Zeit dort. Von den 250'000 Parkplätzen in der Stadt Zürich werden etwa 45'000 nicht bewirtschaftet - und so nutzen Automobilisten diese Parkplätze unberechtigterweise. Die Mobilitätsstrukturen lassen sich nun mal nicht ändern, deshalb verfolgen wir mit ePark24 eine Ausweichstrategie: Wir bringen den Umweltschutz auf den Parkplatz.

Die Städte- und Verkehrsplaner setzen die Anzahl der erlaubten Parkplätze in ein Verhältnis zur Wohnfläche. Sie gehen davon aus, dass jeder Parkplatz Fahrten auslöst.
Morgen werden wir mit Repräsentanten der Stadt darüber diskutieren. Ich glaube daran, dass unser Ansatz das Unangenehme mit dem Nützlichen verbindet.

Das Umweltschutz-Mäntelchen macht sich doch einfach gut für ein Unternehmen.
Mit unserer Idee betreiben wir kein Marketing in eigener Sache, sondern führen eine alte Idee weiter. Viele Firmen verrechnen den Angestellten die Parkplätze und investieren diese Einkünfte beispielsweise in Subventionen für ÖV-Abos. Mit ePark24 lässt sich dieses Modell erweitern.

*Alexander Schümperli ist CEO der Firma ePark24, die er Ende 2007 mit zwei Kollegen gegründet hat.

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