Täglich strömen 18'000 Besucher ins Sihlcity
17. März 2008, 22:31 Von Janine HospEin Jahr nach dem Start wird der letzte Mieter eingezogen sein und noch keiner zog aus.
Die letzten CS-Mitarbeiter ziehen diesen Monat in die Büros in Sihlcity ein, und hinter den zugeklebten Scheiben des Restaurants Der Veg sind die Handwerker im Endspurt. Ende März, ein Jahr nach Eröffnung von Sihlcity, wird die «kleinste Grossstadt» komplett sein. Dann zählt sie 77 Geschäfte und 14 Restaurants, zudem Hotel, Ärztezentrum, Bibliothek, Kino, Klub, Kirche, Kulturhaus und Fitnesscenter mit Spa. Daneben Büros für über tausend Personen – und 16 Wohnungen.
Bevölkert wird diese City vor allem durch Auswärtige. Die Verantwortlichen rechnen, dass nach einer Startphase von drei Jahren 20 000 Besucherinnen und Besucher pro Tag nach Sihlcity kommen. In den ersten drei Monaten waren es im Durchschnitt 19000, bis Ende Jahr noch 18 000. «Damit sind wir absolut auf Kurs», sagt Conradin Stiffler von der Miteigentümergemeinschaft Sihlcity.
Auch mit dem Umsatz ist Stiffler zufrieden, obwohl dieser mit 245 Millionen in den ersten neun Monaten hinter den erhofften 300 Millionen Franken zurückblieb. «Der Umsatz muss noch steigen», sagt er. Das Ziel sind 400 Millionen pro Jahr. Man müsse noch mehr Leute davon überzeugen, in Sihlcity einzukaufen und «der Konkurrenz Kundenanteile abschöpfen». Für eine zusätzliche Belebung sollen auch die 1100 Bankangestellten sorgen, die Ende Monat ihre Büros in Sihlcity haben werden. Die übrigen Mieter, die Läden und Dienstleistungsbetriebe, haben bis heute 800 Vollzeit- und 600 Teilzeitstellen geschaffen.
Mieter klagen nicht
«Wir haben immer noch alle Mieter, und keiner will hinaus», sagt Stiffler. Er räumt aber ein, dass nicht alle gleich zufrieden seien. Solid gestartet seien die bekannten Marken, die bereits gut verankert sind. Die Newcomer hingegen, Neugründungen oder solche, die bisher noch nicht in der Schweiz zu finden waren, müssten erst ihr Publikum finden. Sie seien aber wichtig, damit sich Sihlcity von anderen Einkaufszentren abheben könne.
Bei den Mietern hört man keine Klagen. Coop, der als so genannter Anker-Mieter fast omnipräsent ist, zeigt sich auf Anfrage zufrieden. Über Erwarten gut würden seine Geschäfte Interdiscount, Import-Parfümerie, Christ und Coop Vitality laufen. Der Supermarkt legte seit Anfang Jahr dank einer auffallend jungen Kundschaft deutlich zu. Das Warenhaus Coop City und Fust hingegen hätten «noch Potenzial». Letzterer, weil er in Konkurrenz zu weiteren Fust-Filialen im Einzugsgebiet von Sihlcity stehe.
Das Kleidergeschäft Peek & Cloppenburg lässt über seine Zentrale in Düsseldorf schriftlich ausrichten, dass das Geschäft den Erwartungen entspreche. Bereits dies wird als Erfolg gewertet, da das Unternehmen neu in der Schweiz ist. Auch kleinere Firmen wie das Spielwarengeschäft Amsler klagen nicht: «Wir waren wegen der langen Öffnungszeiten erst skeptisch. Es geht für uns aber je länger, je mehr auf», sagt Inhaber Marcel Amsler. Der Umsatz entspreche den Erwartungen. Ein Grund dafür sei, dass die Nachbargeschäfte ebenfalls auf Kinder ausgerichtet seien und so Familien anziehen. Schon von Beginn an höchst zufrieden waren die Restaurants in Sihlcity.
Nur ein Drittel kommt mit dem Auto
Über Erwarten gut funktioniert die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr – so gut, dass sich die Zentrumsleitung schon überlegt, wie sie die 800 Parkplätze besser auslasten kann. 70 Prozent der Besucher kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit Velos oder zu Fuss, 30 Prozent mit dem Auto. Nach Meinung Stifflers stimmt die Behauptung nicht, dass Kunden, die mit Tram oder Bus anreisen, weniger Geld ausgeben als die anderen.
Am Samstag, 29. März, und Sonntag, 30. März, feiert Sihlcity offiziell Geburtstag – wegen Ostern eine Woche verspätet. Die Gäste will man unter anderem mit einer Rabattaktion und einem Superjackpot von 365000 Franken locken.















