Zürich verbietet öffentliche Besäufnisse
02. April 2008, 21:33 Von Stefan HohlerDer Stadtrat geht rigoros gegen Alkoholexzesse bei Jugendlichen vor: Betrunkene kommen in Polizeigewahrsam und müssen künftig von den Eltern abgeholt werden.
Alkohol spielt eine entscheidende Rolle bei der Jugendgewalt. Deshalb steht der Kampf gegen Alkoholexzesse im Vordergrund bei den gestern veröffentlichten acht Massnahmen, mit denen der Stadtrat die Jugendgewalt in Zürich markant reduzieren will. «Wir tolerieren keine Gewalt, Regeln müssen gesetzt und durchgesetzt werden», sagte Stadtrat Gerold Lauber (CVP) an der gemeinsam mit Esther Maurer (SP) und Monika Stocker (GP) durchgeführten Medienkonferenz.
Man habe die Verhaltensgrenzen und die Regeln klar kommuniziert, und man werde diese auch konsequent durchsetzen. «Allen Jugendlichen muss klar sein, dass die Nichteinhaltung von Regeln geahndet und begangenes Unrecht wieder gutgemacht werden muss», sagte Lauber.
Die Stadt will mit folgenden acht Massnahmen gegen Alkoholexzesse und Jugendgewalt vorgehen:
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Keine öffentliche Besäufnisse: Betrunkene Jugendliche und junge Erwachsene, welche sich in der Öffentlichkeit besaufen und dabei die Passanten stören oder sich und andere gefährden, werden von der Polizei in Gewahrsam genommen. Minderjährige müssen von den Eltern abgeholt werden oder sie werden an den Wohnort der Eltern zurückgeführt. «Dabei müssen die Eltern für die Kosten aufkommen», sagte Polizeivorsteherin Esther Maurer. Junge Erwachsenen werden in die Ausnüchterungszelle gesteckt. Sie müssen die Übernachtungskosten bezahlen.
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Strikte Kontrolle der Alkoholabgabe: Alkoholverkaufsläden, Klubs und Veranstaltungen mit jugendlichen Kunden werden intensiv auf die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen kontrolliert. Esther Maurer betonte, dass fehlbare Lokale oder Läden mit empfindlichen Bussen oder gar Patententzug rechnen müssen.
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Sicherstellung von Waffen und Handys: Der Stadtrat toleriert keinen Waffenbesitz bei Jugendlichen. Waffen, gefährliche Gegenstände und Handys, die als Tatmittel dienen, werden von Lehrern, Jugendarbeitern und Polizei sichergestellt. Dies betrifft auch Handys mit pornografischen Bildern oder Gewaltdarstellungen.
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Einsetzung der Taskforce Jugendgewalt: Die Taskforce setzt sich aus Fachleuten von Polizei, Schulen und Sozialdiensten zusammen. Ihre Aufgabe ist es, alle Massnahmen gegen Jugendgewalt auf die vom Stadtrat gesetzten Ziele auszurichten. Als Leiter der Taskforce wählte der Stadtrat Andres Oehler, Stabschef des Hochbaudepartements. Oehler hat Erfahrung: Zwischen 2000 und 2002 hat er das Projekt «Sicherheit und Sauberkeit» mitinitiiert. In den Neunzigerjahren war er bei der Auflösung der offenen Drogenszene am Letten engagiert und war Mitglied und Sprecher des stadträtlichen Drogenstabes.
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Konfliktlösung ohne Gewalt gilt für alle: Auch ausländische gewaltbereite Jugendliche und junge Erwachsene müssen einen respektvollen Umgang und Konfliktlösungsmuster ohne Gewalt lernen. Eltern und Migranten-Vereine müssen Verantwortung übernehmen. Gemäss Schulvorsteher Gerold Lauber erwägt man, Kulturvermittler auch im öffentlichen Raum einzusetzen. Solche Vermittler seien im Schulbereich bereits jetzt schon aktiv.
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Intensive Opferbetreuung: Jugendliche Opfer von Gewalt beziehungsweise ihre Eltern werden motiviert, Anzeige zu erstatten. Die Polizei gestaltet das Anzeigeverfahren einfacher, direkter und niederschwelliger.
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Sofortige Reaktion: Bei Regelverletzungen werden die Sanktionen klar kommuniziert. Sie sollen für die Betroffenen sofort spürbar und nachvollziehbar sein. Strafrechtlich relevantes Verhalten wird von Schulen, Ausbildungsstätten und Institutionen der Polizei gemeldet.
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Gewalttätige Konflikte verhindern: Konflikte sollen frühzeitig erkannt und verhindert werden. Als Beispiel nannte Sozialvorsteherin Monika Stocker das Projekt «ZüriCourage». Dieses Projekt, bestehend aus SipZüri (Sip: Sicherheit/Intervention/Prävention) und der Stadtpolizei, gibt es seit November 2007. Dabei wird das bisherige Sip-Team (15 Stellen) bis Ende 2009 mit 10 zusätzlichen Stellen aufgestockt.
Multikulturelles Sip-Team
Wie Monika Stocker betonte, schaue man, dass die SipMitarbeiterinnen und -Mitarbeiter aus verschiedenen Herkunftsländern kommen, um auch an die ausländischen Jugendlichen heranzukommen. Momentan stammen die Sip-Leute aus zehn Ländern, die Ausländer vor allem aus dem Balkan, der Türkei und Nordafrika. In dem halben Jahr, seit dem das Projekt «ZüriCourage» existiere, könne man eine positive Bilanz ziehen, sagte Stocker.
Ausgehzonen der Jungen im Visier
Die Sip-Leute von «ZüriCourage» haben ihre Einsatzorte vor allem an den neuralgischen Orten: So in der Ausgehzone vom Hauptbahnhof bis Zürich-West, an den VBZ-Haltestellen, der Seepromenade und in Zürich-Nord. Dabei sind sie in der Ausgehzone ab Donnerstag- bis Sonntagnacht unterwegs, auf den Plätzen und Anlagen von Montag bis Sonntag jeweils am Nachmittag und am frühen Abend. In Krisensituationen erhalten Sip-Teams Unterstützung von der Stadtpolizei und der Sanität. Die Einsätze bei Tram-, Bus- und Zugstationen werden mit VBZ und ZVV koordiniert. Die Sip-Teams versuchen zu verhindern, dass sich Jugendliche aggressiv verhalten und sich exzessiv betrinken.
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