Während der Euro wirds für die Pendler eng
11. April 2008, 09:07 Von René StaubliUm den zusätzlichen Verkehr zu bewältigen, mobilisiert der ZVV während der Euro seine letzten Reserven. Pendler müssen im Juni dennoch mit grösseren Unannehmlichkeiten rechnen.
Mit mehr als 1400 Extrazügen, mehr als 2000 Extrabussen/-trams und einem Betrieb rund um die Uhr versucht der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) zwischen dem 6. und 30. Juni die Quadratur des Kreises: Er muss die rund 1,4 Millionen erwarteten Fussballfans und Besucher zum Stadion oder Public Viewing bringen (und zurück) – und daneben unter massiv erschwerten Bedingungen auch noch den täglichen Berufsverkehr bewältigen.
ZVV-Direktor Franz Kagerbauer nahm gestern an einer Medienorientierung im Hauptbahnhof kein Blatt vor den Mund: «Für die Pendler wird es noch enger werden, als es schon ist.» Der Grund: Weil die Quaibrücke und das Utoquai am späteren Nachmittag jeweils gesperrt sind, werden während der Euro viele Automobilisten auf den öffentlichen Verkehr umsteigen.
Dies bereitet den ZVV-Chefs Bauchgrimmen. Denn sie können in den Stosszeiten keine zusätzlichen Züge oder längere Kompositionen einsetzen – alle Fahrzeuge stehen dann bereits im Einsatz. Der ZVV rät deshalb seinen Stammkunden, wenn möglich etwas früher oder später zur Arbeit oder nach Hause zu fahren. «So verteilt sich die Nachfrage», hofft Kagerbauer. Ein spezieller Sitzfahrplan, der ab Mitte Mai aufgelegt wird, listet zudem jene S-Bahnen auf, bei denen es auch in Spitzenzeiten freie Plätze haben sollte.
90 Prozent der Besucher ohne Auto?
Das Euro-Verkehrskonzept basiert auf der Annahme, dass sich 90 Prozent aller Besucher mit dem ÖV oder zu Fuss fortbewegen. Nur so bleibe Zürich vor einem Verkehrschaos verschont, sagt Kagerbauer. Die Autos und Busse sollen auf drei grossen Parkplätzen an der Zürcher Peripherie abgestellt werden.
Am Flughafen stehen bei der Rega Parkplätze für 6000 Personenwagen zur Verfügung. Auf der Allmend Brunau ist Platz für 1800 Autos. Schliesslich sind auf dem Militärflugplatz Dübendorf 380 Standplätze für Cars und Busse markiert. Konkret sieht das Angebot des öffentlichen Verkehrs wie folgt aus:
- Vom Flughafen gibt es bis zu acht Verbindungen pro Stunde ins Zentrum (S2, S16, Fernverkehrszüge). In der Gegenrichtung fährt ab 1 Uhr nachts ein S-Bahn-Shuttle im Stundentakt (an Spieltagen gibt es alle 30 Minuten einen Zug).
- Von der Allmend Brunau fahren an den Spieltagen Shuttle-Busse der VBZ alle 10 Minuten direkt zum Stadion Letzigrund. Die S4 (Sihltalbahn) fährt alle 10 bis 20 Minuten. Ab 1 Uhr nachts können Besucher mit der S4 stündlich vom Zentrum zur Allmend zurückkehren.
- Vom Busparkplatz Dübendorf bringen die S9 und die S14 die Besucher in die Stadt. An den Spieltagen schalten die S5 und die S15 ausserordentliche Halte in Dübendorf ein, sodass pro Stunde insgesamt acht Verbindungen verfügbar sind. Ab 1 Uhr nachts gibt es einen Shuttle-Rückreiseverkehr – an den Spieltagen im Halbstundentakt, sonst stündlich.
- Das ZVV-Nachtnetz wird während der Euro ausgebaut. Die Linien N11 bis N19 der VBZ verkehren die ganze Nacht im Halbstundentakt ab Bürkliplatz und Rämistrasse. Die Sonder-Nacht-S-Bahnen SN 18 (Stadelhofen–Esslingen) und SN 17 (Dietikon–Wohlen) fahren jede Stunde. Insgesamt sind die ZVV-Fahrpläne kompatibel mit dem erweiterten Angebot der SBB.
Laut Kagerbauer muss das ZVV-Personal während der EM 50'000 zusätzliche Arbeitsstunden leisten. Der finanzielle Mehraufwand betrage rund 4,4 Millionen Franken. Einen Teil der Mehrausgaben finanziert die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Das Sponsoring erlaubt es dem ZVV, während der Euro auf die Erhebung des Nachtzuschlags zu verzichten. Mit einem gültigen Ticket kann also jedermann das Nachtnetz ohne weitere Kosten benützen.
Dafür hat sich die Bank für ein Jahr eine 200 Meter lange Werbefläche gesichert.
Zürich
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