Zeughäuser wollen Gewehre nicht lagern

22. April 2008, 21:19 – Von Ruedi Baumann

Fünf jungen Soldaten ist es gleich gegangen wie SP-Nationalrat Daniel Jositsch: Das Zeughaus will ihre Waffen nicht lagern.

Unangemeldet sind ein Wachtmeister und vier Soldaten vor einem Monat im Zeughaus Zürich aufgekreuzt und haben ihr Gewehr deponiert. Ihr Argument: Die sichere Aufbewahrung eines Sturmgewehrs in einer kleinen Privatwohnung sei nicht gewährleistet. Die Zeughausangestellten weigerten sich, die Gewehre entgegenzunehmen. Die Wehrmänner liessen ihre Waffen trotzdem im Zeughaus – fein säuberlich angeschrieben.

Zehn Tage später erhielten sie vom Kreiskommandanten die Aufforderung, ihre Waffe abzuholen. Begründung: Armeeangehörige müssten ihre Ausrüstung an ihrem Wohnsitz aufbewahren. Ausnahmen würden nur gewährt bei Auslandaufenthalt, häufigem Wohnortswechsel oder bei Wohnsitz im grenznahen Ausland.

Ähnlich ist es Nationalrat und Major Daniel Jositsch (SP) ergangen. Seine Offizierspistole wurde vom Zeughaus zwar entgegengenommen – allerdings nur auf Grund eines internen Fehlers. Nachdem der Strafrechtsprofessor sein Gesuch für Nachahmer ins Internet gestellt hatte, forderte der Kreiskommandant Jositsch auf, seine Pistole abzuholen. Was dieser getan hat, allerdings nicht ohne Rekurs einzureichen.

Ball liegt beim Zürcher Regierungsrat

Die fünf Soldaten sind am Dienstag an einer Veranstaltung der GSoA vor die Medien getreten. Sie haben ebenfalls einen Rekurs an den Regierungsrat eingereicht. «Wenn der Staat nichts unternimmt, unternehme ich etwas», sagte der 26-jährige Student Sebastian. «Ein Feuerwehrmann muss seinen Schlauch schliesslich auch nicht nach Hause nehmen.» Im Gegensatz zu Jositsch weigern sich die fünf Wehrmänner, ihre Gewehre abzuholen, auch wenn die Armee mit Arrest und Bussen droht. «Ich glaube nicht, dass die uns zu Märtyrern machen», sagt Michael aus Winterthur. Patrick Angele, GSoA-Sekretär und Ex-Juso-Nationalratskandidat, verweist auf den Rückhalt in der Bevölkerung. Die Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» sei bereits von 80 000 Personen unterschrieben worden und werde noch in diesem Sommer eingereicht.

Der Ball im Kanton Zürich liegt nun beim Regierungsrat. Der Kantonsrat hatte ein Postulat der Richterswiler Sicherheitsvorsteherin Renate Büchi (SP) zur Lagerung von Armeewaffen im Zeughaus überwiesen. Zudem muss Militärdirektor Hans Hollenstein (CVP) über den Rekurs von Jositsch und der fünf Wehrmänner entscheiden. In der Antwort auf das Postulat deutet die Regierung allerdings an, sie wolle nicht selbstständig entscheiden, sondern das Resultat einer nationalen Arbeitsgruppe abwarten. Der Kanton Genf hatte seinen Armeeangehörigen bereits im September angeboten, die Waffe kostenlos im Zeughaus lagern zu dürfen.

Zürich

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