Kritik an Ultimatum für Street Parade

08. Mai 2008, 21:26 – Von Benno Gasser

Zürichs Polizeivorsteherin Esther Maurer gerät für ihre Drohung gegen die Street Parade unter Beschuss. Nicht nur von den Veranstaltern, auch aus der eigenen Partei.

Die von Polizeivorsteherin Esther Maurer ausgesprochene Drohung, den Anlass wegen der Alkohol-Exzesse ab 2009 nicht mehr zu bewilligen, sorgt in der Party-Szene für Wirbel. Street-Parade-Sprecher Stefan Epli: «Die Street Parade hat kein grösseres Alkohol-Problem als andere Grossveranstaltungen. Wäre Frau Maurer konsequent, müsste sie auch diese verbieten.» Betrunkene seien nicht auf der eigentlichen Umzugsroute sondern in den umliegenden Quartieren anzutreffen. Es sei schade, dass die Parade nur auf Drogen und Alkohol reduziert werde.

Trotzdem nehmen die Organisatoren Maurers Ultimatum ernst und setzen alles daran, dass der Alkohol nicht zum Verhängnis wird. Betrunkene sollen dieses Jahr während der Parade gezielt angesprochen und mit Gratis-Mineralwasser versorgt werden. Auch die Präventionskampagne wird auf Booklets, Flyern und der Website stärker in den Vordergrund gerückt. Selbst das diesjährige Moto wird den Alkohol und friedliches Zusammenleben thematisieren.

Kritik von vielen Seiten

Party-Veranstalter und Lovemobile-Organisator Etienne Rainer ist empört über Maurers Drohung: «Frau Maurer schiesst mit Kanonen auf Spatzen.» Die Street Parade sei eine friedliche Veranstaltung. In Anbetracht von mehr als 500'000 Besuchern seien die wenigen gewalttätigen Vorfälle mit Betrunkenen nicht mehr als eine Bagatelle. «Alkoholismus ist ein gesellschaftliches Problem, dass sich nicht mit einem Verbot der Parade lösen lässt.»

Arnold Meyer, Organisator der Energy-Party, sieht im Gegensatz zu Maurer einen grossen Imagegewinn für die Stadt. «Ich habe mit vielen Leuten Kontakt und noch nie ein negatives Feedback gehört, was den Alkohol betrifft.» Der Street Parade sei es in den vergangenen Jahren gelungen, Zürich über die Landesgrenzen hinaus als eine bunte und fröhliche Stadt darzustellen. Falls die Street Parade 2009 nicht mehr bewilligt werden sollte, will er seine bekannte Energy-Party auch weiterhin veranstalten. Trotzdem wäre das Ende der Parade für die Partyveranstalter und insbesondere für die Stadt ein grosser Verlust, sagt Meyer.

«Ich bin erschrocken, als ich das Interview mit Frau Maurer gelesen habe», sagt Maurus Lauber, Marketing-Leiter von Zürich Tourismus. Die Street Parade habe viel dazu beigetragen, dass sich Zürich als lebenswerte und fröhliche Stadt wahrgenommen werde. Der Anlass generiere eine Wertschöpfung von rund 150 Millionen Franken. «Ein Wegfall der Street Parade wäre eine kleine Katastrophe.» Zürich Tourismus wirbt auf Image-Broschüren und Präsentationen im Ausland mit Bildern der Street Parade.

Martin Naef, Kantonsrat aus Zürich und bis vor kurzem Präsident der SP Kanton Zürich, kritisiert seine Parteikollegin. «Ein Verbot bringt nichts. Mit einem Entzug der Bewilligung wird das Problem nicht gelöst.» Für Naef ist die Street Parade lediglich eine Akzentuierung der Probleme, wie sie jedes Wochenende in Zürich zu beobachten sind. «Man muss sich leider damit abfinden, dass solche Veranstaltungen nie ohne Nebengeräusche stattfinden.» Naef begrüsst einen Grossteil der bisher eingeleiteten Präventionsmassnahmen

Schützenhilfe vom Blauen Kreuz

Lob für ihr Vorgehen erhält Maurer von Stephan Kunz, Geschäftsführer Blaues Kreuz Kanton Zürich. «Nur wenn man mit klaren Strafen droht, wird man ernst genommen.» Alkohol-Exzesse würde leider an Grossveranstaltungen zunehmen. Ein solches Verbot auszusprechen, sei eine logische Konsequenz.

Zürich

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