Zürich

3 Zürcher haben so viel wie 412'000 andere

13. Mai 2008, 23:02 – Von Constantin Seibt

Der Mittelstand stagniert, die Superreichen werden reicher. Das sagt der ehemalige Chefstatistiker des Kantons Zürich.

Es sind brisante Zahlen. Während der Durchschnittszürcher in 12 Jahren nur wenig Vermögen dazugewonnen hat (von 29'000 auf 35'000 Franken), ist das Vermögen der Reichsten stark gewachsen. Von 1991 bis 2003 machte das reichste Prozent der Zürcher Steuerzahler einen 70-Prozent-Sprung von 4 auf 6,8 Millionen Franken. Noch schneller wuchs das Vermögen der Superreichen. Das oberste Zehntelpromille der Zürcher Steuerzahler verdoppelte sogar sein Durchschnittvermögen: von 80 auf 157 Millionen pro Kopf.

Das führte dazu, dass die drei absolut reichsten Zürcher 2003 so viel besassen wie 412'000 andere - das sind 56 Prozent aller Steuerzahler.

Der Mann, der diese Zahlen zusammengetragen hat, ist Hans Kissling, der langjährige Chef des Statistischen Amts des Kantons Zürich. Er rechnet in einem Buch vor, wie schnell in nur zwölf Jahren die Kluft zwischen normal Verdienenden und Reichen gewachsen ist.

Feudale Tendenzen in der Schweiz

Laut Kissling bewegt sich die Schweiz dadurch vermögensmässig auf einen Feudalstaat zu: Nirgends sonst besitzen so wenige so viel mehr als alle anderen.

Und die Kluft wächst weiter, indem die grossen Vermögen vererbt werden. Der Statistiker Kissling sagt für die nächsten 30 Jahre jährlich 4 frische Zürcher Milliardenerben voraus. Kisslings Hauptsorge dabei ist: Mit den automatisch sich vermehrenden Grossvermögen und den Riesenerbschaften wachse in hohem Tempo ein mächtiger Schweizer Geldadel heran. Darunter würden nicht nur die Chancengleichheit und die Leistungsgesellschaft leiden. Auch werde die Demokratie eine Beute der neuen Reichen.

Als Gegengift fordert der ehemalige Statistikchef und studierte Ökonom eine nationale Erbschaftssteuer für sehr Reiche. Erbschaften über einer Million pro Kopf müssten mit 50 Prozent besteuert werden.

Die geschätzten 10 Milliarden Mehreinnahmen pro Jahr sollen laut Kissling in die steuerliche Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen fliessen.

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