Tipps und T-Shirts für die Euro-Helfer
16. Mai 2008, 21:10 Von Ruedi BaumannDie ersten freiwilligen 200 Euro-Helfer wurden von Fifa-Präsident Blatter und Stadtrat Lauber mit viel Enthusiasmus und einer schönen blauen Uniform in Pflicht genommen.
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Schwer beladen zogen 200 so genannte Volunteers heute Mittag vom Fifa-Hauptsitz zur Tramhaltestelle Zoo. Beladen mit den begehrten Insignien ihres Ehrenamtes: fünf trendige hellblaue Sweat-, Polo- und T-Shirts, beige Trekking-Hose, Käppli, Tasche, Adidas-Turnschuhe, ZVV-Monatsabo und ein Personalausweis mit Foto. Wert: rund 800 Franken.
Beladen waren sie aber auch mit Verhaltenshinweisen made in Switzerland und gelebt in Zürich: Gastfreundlichkeit, gepflegtes Auftreten, Hilfsbereitschaft, Kameradschaft, Ordnung, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit. Zudem gelten ein generelles Alkoholverbot in Uniform und ein Rauchverbot während der Einsätze. Und das alles freiwillig und unbezahlt.
Mit Herzblut gute Gastgeber sein
800 dieser Volunteers sind von der «Host City» Zürich angeworben worden. Sie sind nicht identisch mit den Uefa-Volunteers, die vor allem im und ums Stadion aushelfen. Die ersten 200 liessen sich gestern instruieren, uniformieren und ausbilden. Das Spektrum reicht von jungen Studenten, Handwerkern, entlassenen Swissair-Hostessen über Hausfrauen bis zu auffallend vielen Pensionierten. Der Älteste ist 80-jährig.
Ihre Aufgaben: Die Fans an Flughafen und Bahnhof willkommen heissen, Fussgängerströme leiten, Verkehrsbeobachtung und -einweisung, Eingangskontrollen, Platzanweiser in der Public-Viewing-Zone, Hilfe im Verpflegungsdienst - und vor allem: sich in der ganzen Stadt nach bestem Gewissen um die Fans kümmern.
Eine gehörige Portion Moral und Sendungsbewusstsein wurde den Volunteers von Fifa-Präsident Sepp Blatter eingeimpft. Er sprach von Vision, Mission und der Magie des «Füessballs». Stadtrat Gerold Lauber sagte im selben Oberwalliser Hochdeutsch: «Wir wollen Emotionen leben und mit viel Herzblut gute Gastgeber sein.»
Dann gings an die Instruktion. Polizeipsychologin Jasmin Ackermann machte mit den Volunteers eine Schnellbleiche in Konfliktmanagement. «Beruhigen statt provozieren», riet sie, «informieren Sie sich über die Spiele, aber necken Sie keinen Fan mit schlechten Ergebnissen seines Teams!» Hauptsorge der Helfer sind betrunkene Fans. Der Rat der Psychologin: «Bei Betrunkenen setzt der Verstand häufig aus. Lassen Sie sich auf keine langen Diskussionen ein, geben Sie in selbstbewusster Körperhaltung kurze Informationen und wiederholen sie diese.»
Was ist, wenn die al-Qaida angreift?
Auf die Frage eines Volunteers wusste auch die Psychologin keinen Rat: «Was ist, wenn al-Qaida-Terroristen angreifen?» Die Bedrückung löste sich schnell wieder, als die Psychologin ihre letzte Folie zeigte: «So schlimm wie befürchtet wird es nicht» - und im Bild erschien ein Mann mit einem T-Shirt «Österreich Europameister».
Vom Zürcher Fanbotschafter Stefan Frischknecht erhielten die Helfer eine Charakterisierung der Gastnationen: Die Franzosen hätten es vor allem aufs Festen abgesehen und würden häufig einen lebendigen Hahn mitschleppen. Die Italiener seien die Erfinder des Hupkonzerts und würden durch besonders viele weibliche Fans vertreten. Für die Rumänen sei Zürich wohl ein zu teures Pflaster, zudem zähle die Nationalmannschaft weniger als der Klubfussball. Die Fans aller drei Nationen seien freundlich und nicht gewalttätig.
Beim Fassen der Uniform kamen die Volunteers ins Gespräch. Man duzte sich über alle Altersstufen hinweg, probierte ungeniert in Unterhosen die Trekking-Pants an und philosophierte über die Euro 08. Kein Einziger fühlte sich durch die reiche Uefa ausgenützt, die Millionen verdient, während die freiwilligen Helfer gratis arbeiten. Am treffendsten formulierte es der pensionierte Briefträger Hans Gnägi aus dem Seefeld. «Der Fussballverband macht viel für unterentwickelte Länder. Und auch hier ist es besser, wenn die Jungen Fussball spielen, statt auf der Gasse herumzulungern.»


















