Viele wollen nicht mehr Öl und Gas verheizen

26. Mai 2008, 21:21 – Von Jürg Schmid

Der hohe Heizölpreis schreckt Hausbesitzer. Immer mehr überlegen sich, auf alternative Energien wie Holz, Erdwärme oder Solarenergie umzusteigen - auch im Kanton Zürich.

Viele Hausbesitzer, die ihre Liegenschaften mit Öl beheizen, schockt der hohe Richtpreis von mehr als 140 Franken pro 100 Liter schwefelarmes Öko-Heizöl bei einem Bezug von 3000 bis 6000 Litern. Der Preis hat sich in zwölf Monaten fast verdoppelt, seit 2004 verdreifacht.

Der rasante Preisansteig auf einer nach oben offenen Skala hat Folgen. Immer mehr Hausbesitzer wollen auf alternative Energien umsteigen. Dieser Trend ist allerdings nicht neu, aber er verstärkt sich jetzt, wie verschiedene Firmen der Heiz- und Klimatechnikbranche bestätigen. Zahlen aus dem Kanton Zürich zeigen: Die Wärmepumpen mit Erdsonden nehmen stetig zu. 600 solche Anlagen hat die Baudirektion 2003 bewilligt, 2005 waren es bereits 820 und letztes Jahr 1200. Von einem Boom bei den Alternativheizungen mag Hansruedi Kunz, Energiefachmann bei der Baudirektion, noch nicht sprechen. Kunz stellt aber fest, dass die Gesuche für Förderbeiträge weiter zunehmen. Holzpelletheizungen würden seit vier bis fünf Jahren vermehrt eingebaut, vor allem in Einfamilienhäusern, weil diese zu klein seien für Schnitzelheizungen.

Es gibt jedoch Firmen, die bereits einen Boom erleben. «Den gibt es schon seit einem Jahr», sagt Alexander Stritz. Er leitet das Kompetenzzentrum erneuerbare Energien der St. Galler Heiz- und Feuerungstechnikfirma Hälg&Co. mit landesweit 18 Niederlassungen, auch in Zürich und Winterthur. «Öl- und Gasheizungen sind vorbei, alles andere finden die Leute gut», stellt Stritz fest. «Für viele ist der Ölbrenner im Keller ein Problem. Sie wollen vermehrt Beratung. Denn die Ölpreise sind mit der Zeit nicht mehr bezahlbar», ist Stritz überzeugt. Auch Herbert Wyss, Chef Anlagenbau bei der in Winterthur domizilierten Energietechnikfirma Axima meint: «Die Schmerzgrenze ist erreicht, viele Leute machen jetzt die Rechnung.»

Bei den Anschaffungskosten besteht noch ein grosser Unterschied zwischen Öl-/Gasheizungen und alternativen Systemen. Laut Wyss ist für ein Einfamilienhaus ein neuer Heizkessel mit Ölbrenner für 15'000 bis 16'000 Franken zu haben, eine Wärmepumpe mit Erdsonde kostet rund 40'000 Franken (beide Preise ohne Warmwasseraufbereitung). Langfristig betrachtet, machen allerdings die Alternativen das Rennen, wenn die Vollkosten gerechnet werden. Bei den Investitionen ist laut Stritz eine Holzpelletheizung rund doppelt so teurer wie eine Öl-/Gasheizung. Und Wärmepumpen sind zwei bis dreimal so teuer. Beim Betrieb siehts dann jedoch ganz anders aus. Gegenüber Öl- und Gasheizungen sind die Kosten für Pelletöfen rund 40 Prozent tiefer. Für Wärmepumpen (Luft/Wasser) betragen die Betriebskosten noch ein Drittel, für Wärmepumpen mit Erdsonde ein Sechstel.

Auch die Winterthurer Gebäudetechnikfirma Hunziker spürt, dass die Leute «sensibler werden für alternative Systeme», wie Firmeninhaber Christian Hunziker sagt. «Die Einfamilienhausbesitzer rennen uns zwar noch nicht die Türen ein. Aber das Interesse an Holzpelletfeuerungen, Wärmepumpen und Solaranlagen wächst.» Hunziker stellt fest, dass Hausbesitzer vor allem dann Alternativen zum Heizöl wählen, wenn sie ihre Anlagen auswechseln müssen.

Isolieren bringt auch schon viel

Hunziker will den Kunden aber nicht um jeden Preis eine Alternative zum Ölbrenner verkaufen. Er bietet ihnen Vergleiche zwischen Ölheizungen und Wärmepumpen an und erstellt CO2-Bilanzen für unterschiedliche Energieanlagen. «Wir streben Gesamtlösungen an, damit die Gebäude für die Zukunft energetisch optimal erneuert oder isoliert werden. Es kann vorkommen, das Hunziker einem Liegenschaftenbesitzer empfiehlt, vor dem Einbau einer Heizung mit erneuerbaren Energien, die Gebäudehülle, die Fenster, das Dach und die Kellerräume zu dämmen, um den Energieverbrauch zu senken.

Die Baudirektion und die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich haben ihre Programme zur Förderung alternativer Energien koordiniert. Die EKZ beraten Kunden vor Ort für 250 Franken.

Zürich

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