Ökostrom aus dem Wasser der Töss – genug für 400 Winterthurer Familien

10. Juni 2008, 22:29 – Von Martin Gmür

Zwei Ingenieure haben die alten Rieter-Kraftwerke aufgemöbelt und eine Fischtreppe angefügt.

Vor 100 Jahren war das Regulieren der Schieber und Schleusen Handarbeit, heute genügt ein Mausklick am Computer, der im Büro von Martin Gisler in Schaffhausen steht. Gisler ist Bauingenieur, sein Compagnon bei der Nordstrom GmbH ist der Deutsche Franz Heitzmann, ein Wasserbauspezialist. Zehn Jahre lang hatten sie geplant und Hindernisse aus dem Weg geräumt, bis es so weit war: Bis die beiden Rieter-Kraftwerke, die Anfang der 90er-Jahre stillgelegt worden waren, wieder Strom produzierten  zwei Millionen Kilowattstunden pro Jahr, was dem Verbrauch von 400 bis 500 Haushalten entspricht. 18 Rappen pro kWh zahlt Stadtwerk für den zertifizierten Ökostrom.

Gisler und Heitzmann haben auf dem aufgebaut, was die Maschinenfabrik Rieter vor Jahren schuf. Die grössere von zwei Turbinen am Wehr in Töss ist aus den 30er-Jahren und wurde von Escher-Wyss gebaut, die Drillings-Francis-Turbine in Niedertöss ist fast hundertjährig und von Rieter selbst. Dazwischen liegt der Kanal, der teils unterirdisch, teils idyllisch das Chrugeler-Quartier entlangfliesst und einst die Badi von Töss war. 15 Jahre ohne Stromproduktion haben ihn verschlammen lassen; er wurde ausgebaggert, 2000 Tonnen lagern heute im Schaffhausischen.

Im Kraftraum, wo die Maschinen drehen, sind die alten Teile schwarz wie damals, die neuen blau, darunter die Generatoren. Die alten, nicht mehr gebrauchstüchtigen stehen auf Wunsch der Denkmalpflege daneben in der Werkhalle. Die Denkmalpflege hat den Umbau begleitet und 400'000 Franken an die Kosten von zwei Millionen beigesteuert. Rieter engagierte sich mit einem Darlehen, der Kanton beteiligte sich an der neuen Fischtreppe, die Teil der neuen Wasserkonzession ist.

Die Tössemer Jugendlichen hätten die Fischtreppe bereits entdeckt, so Gisler: Wenn sie die Schlitze verschliessen, lassen sich die Becken zum Baden nutzen. An behinderten Menschen der Brühlgut-Stiftung sei es dann, die verstopften Schlitze wieder zu öffnen. Drei Brühlgut-Leute und ein Betreuer sind für den Unterhalt von Wehr und Kanal verantwortlich. Auch eine Restwassermenge verlangt die neue Konzession: 200 Liter pro Sekunde müssen stets über die Fischtreppe fliessen, weitere 300 Liter stürzen ein Loch runter, sodass es unten sprudelt und den Forellen, Elritzen und Groppen den Weg zur Treppe weist.

Tag der offenen Tür: Samstag von 10 bis 16 Uhr.

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