CVP als Anwältin der Kinder
01. Juli 2008, 20:08 Von Beat MetzlerDie städtische CVP verabschiedet sich vom traditionellen Familienbild. Sie wolle dafür die Anliegen der Kinder besser vertreten, sagten CVP-Politiker an einer Pressekonferenz.
Ausgerechnet die CVP, die sich als klassische Familienpartei sieht, sagt sich vom traditionellen Familienbild los. «Dieses entspricht nicht mehr der Realität. Obwohl es die SVP künstlich hochhält», sagte Josef Widler, Vizepräsident der CVP-Gemeinderatsfraktion. Von den 67'000 Stadtzürcher Kindern würden bereits 17'000 bei nur einem Elternteil leben, von den restlichen 50'000 stammten viele aus Patchworkfamilien. «Diesen Tatsachen müssen wir Rechnung tragen», sagte Widler.
Weil die Kinder das einzig Gemeinsame der verschiedenen Familienmodelle darstellten, will die CVP ihre Familienpolitik künftig klar auf die Anliegen der Kleinen ausrichten. Widler stellte gleich zwölf Vorstösse vor, welche die Partei heute im Gemeinderat zu diesem Thema einreicht. Welches aber sind die Anliegen der Kinder? Mehr Bewegung, meinen die CVP-Politiker. Den Mangel an körperlicher Betätigung sehen sie als das Hauptproblem der heutigen Stadtkinder. «Ihr Bewegungsdrang ist stark vernachlässigt und eingeschränkt worden», sagte Widler. Folge davon seien grosse Übergewichtsprobleme.
So fordert die CVP in ihren Vorstössen einen Fitnesscheck in der Schule, eine Aufstockung der Anzahl Turnstunden, welche die Stadt notfalls selber berappen soll, und mehr Sportgeräte auf Pausenplätzen, auch wenn das Spielen auf diesen ein gewisses Risiko mit sich bringe. Zusätzlich will die CVP eine Änderung der Bau- und Zonenordnung durchsetzen. Neu sollen bei einer Arealüberbauung pro 120m2 Wohnfläche 8m2 Grünfläche bereitgestellt werden müssen. Nur so hätten die Kinder genug Platz, um sich körperlich zu entfalten.
Polarisierung bekämpfen
Ansonsten klopften sich die städtischen CVP-Vertreter an der Pressekonferenz zur Hälfte der Legislatur vor allem selber auf die Schultern. «Wir fahren auf Erfolgskurs», sagte Parteipräsident Markus Hungerbühler. Er strebt bei den Wahlen in zwei Jahren eine Steigerung der Stimmenanteile von knapp acht auf zehn Prozent an. Seine Partei sieht er als «Leaderin der Mitte». Was diese Rolle im Gemeinderat bedeutet, erklärte Fraktionspräsident Christian Traber. «Ohne uns und die EVP lassen sich keine stabile Mehrheiten bilden. Alle anderen Parteien sind abhängig von uns.» Die Meinungen der CVP seien dabei immer «wohlabgewogen». Man kämpfe gegen die Polarisierung. Wohl deshalb fänden die Medien CVP-Positionen nicht so attraktiv, meinte Traber mit Blick auf die sehr spärlich erschienenen Journalisten.
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