Zürich

Zürcher Polizei lässt Besetzer gewähren

05. Juli 2008, 21:33

Die Zürcher Stadtpolizei will das besetzte Hardturm-Stadion nicht räumen. Im Gegenzug erwartet die Polizei von den Linksautonomen, dass diese nach Mitternacht nicht lärmen.

Nach der Besetzung des Hardturm-Stadions: Die Polizei hält sich zurück.
Keystone Nach der Besetzung des Hardturm-Stadions: Die Polizei hält sich zurück.

Zuerst hat es im Zürcher Hardturm-Stadion nach Konfrontation ausgesehen: Mehrere hundert linksautonome Aktivisten hatten gestern abend die Tore des seit bald einem Jahr geschlossenen Stadions aufgebrochen und das Gelände in Besitz genommen. Als die Polizisten beim Stadion eintrafen, wurden sie mit Flaschen beworfen. Die Polizei antwortete mit Gummischrot und Reizstoff und verhaftete einen Mann sowie eine Frau. Erst nach Rücksprache mit dem Stadionbetreiber zogen sich die Sicherheitskräfte zurück.

Heute Nachmittag teilt die Stadtpolizei nun mit, dass sie die Linksautonomen gewähren lässt. Die illegale Aktion sei nach einer neuen Lagebeurteilung und Gesprächen mit den Stadionbesitzern bis morgen um 18 Uhr geduldet – zumal die Besitzer keinen Anzeige eingereicht hätten. Die Polizei erwartet im Gegenzug von den Aktivisten «ein friedliches und für die Anwohnerschaft erträgliches Verhalten». Dabei geht es der Polizei vor allem um die Musik im Stadion: Diese sollte nach Mitternacht leiser gestellt und nach 2 Uhr ganz abgestellt werden.

Wie die Polizei weiter mitteilt, wurden beim gestrigen Einsatz drei Polizisten leicht verletzt.

Die ganze Nacht gefeiert

Im Stadion herrscht derweil friedliches Treiben: Die einigen hundert Bewohner des vorübergehend aufgebauten Alternativ-Dörfleins im Zürcher Hardturm-Stadion haben laut einem Sprecher eine «sehr entspannte Nacht» hinter sich. Die letzten Musikboxen habe man um 8 Uhr in der Früh abgestellt, sagte er auf Anfrage der SDA.

Jetzt seien einige am Aufräumen, andere holten den versäumten Schlaf nach. Einige Bewohner der Umgebung – vor allem Gegner des geplanten Stadionbaus – hätten hereingeschaut und durchaus positiv reagiert.

An Nachmittag haben die «AktivistInnen der Subkultur», wie sie sich nennen, die Medien zu einem Rundgang empfangen, ihr Dörflein gezeigt und ihre Anliegen erläutert.

«Brotäktschen»-Spiele bis morgen

In einem Communiqué hatten die «AktivistInnen der Subkultur» ihre Aktion schon gestern angekündigt. Demnach wollen sie bis morgen «Brotäktschen»-Spiele veranstalten - nach eigenen Angaben eine Gegenveranstaltung zur Euro 2008.

Die Spiele sollen ein klares Statement gegen die Kommerzialisierung des Fussballs und immer mehr öffentlicher Räume sein, heisst es in der Mitteilung. Sie stünden in der Tradition von Aktionen wie «Reclaim The Streets», «Shantytown» oder «Danslieue».

«Shantytown» und «Danslieue» waren kleine Siedlungen aus Zelten und Buden, die Personen aus der linken Szene im Jahr 2005 respektive 2006 in der Stadt Zürich aufgebaut hatten. Beide Male liess die Polizei sie gewähren, beide Male räumten die Aktivisten die besetzten Plätze nach wenigen Tagen von alleine wieder frei.

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