Zürich

Neuer Uni-Klinik-Chef wehrt sich

15. Juli 2008, 22:12

Die Ernennung von Hans-Peter Simmen zum Leiter der Unfallchirurgie im Zürcher Uni-Spital hat teilweise heftige Kritik ausgelöst. Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» nimmt er Stellung.

Hans-Peter Simmen.
www.sportmedizin-samedan.ch Hans-Peter Simmen.

Mit Hans-Peter Simmen sprach Susanne Anderegg

In Zürcher Fachkreisen ist die Entrüstung gross, dass nicht der bestens qualifizierte interne Bewerber Marius Keel neuer Chef der Klinik für Unfallchirurgie wird, sondern dass der Universitätsrat Sie aus dem Spital Samedan ans Uni-Spital berufen hat. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Es ist keine einfache Situation, das ist auch mir klar. Weshalb Marius Keel nicht in Frage kam, muss man andere fragen; damit habe ich nichts zu tun. Ich sagte erst zu, als ich sicher war, dass man mit ihm nicht verhandeln wollte. Otmar Trentz, der bisherige Chef der Unfallchirurgie, ist einer meiner Lehrer. Ich weiss, dass er seinen Stellvertreter Keel favorisiert hat.

Die Exponenten der Uni begründen das Übergehen von Keel damit, dass die Klinik einen Neustart brauche, nachdem jahrelang um sie gestritten wurde. Gewisse Spezialisten versuchten, die Klinik unter sich aufzuteilen. Was wollen Sie bei diesem Neustart anders machen als Keel?

Das ist eine hypothetische Frage, die ich nicht beantworten kann.

Ihr wissenschaftlicher Leistungsausweis ist nicht gross; in den letzten zehn Jahren haben Sie nur zwölfmal publiziert. Wie können Sie damit auf Hochschulniveau bestehen?

Ich habe noch verschiedene Arbeiten in petto, die demnächst publiziert werden. Aber es stimmt schon: In Samedan fehlte mir zum Teil die Infrastruktur für die wissenschaftliche Arbeit. Als ich noch im Uni-Spital tätig war, publizierte ich mehr.

Es heisst, auch als Arzt hätten Sie zu wenig Erfahrung, um die Uni-Klinik zu führen.

Für schwere Skelett- und Bauchverletzungen bin ich bestens qualifiziert.

Und wie steht es mit Schädel-Hirn-Verletzungen und solchen von Becken und Wirbelsäule? Diese Patienten schicken Sie heute von Samedan nach Zürich.

Ja, zum Beispiel für die Behandlung von Schädelverletzungen braucht es neurochirurgisch ausgebildete Leute, und die hat es am Uni-Spital.

Marius Keel beherrscht laut Fachleuten alle unfallchirurgischen Bereiche.

Es ist nicht möglich, dass jemand vom Scheitel bis zur Sohle alles kann. Damit Zürich konkurrenzfähig bleiben kann, sollten die Spezialisten zusammenarbeiten.

Das war bereits bisher der Fall.

Es besteht die Absicht, dies vermehrt zu tun.

Sie sind also bereit, die Unfallpatienten den Spezialisten abzugeben?

Davon ist keine Rede. Wir führen das Zürcher Unfallchirurgiekonzept weiter und arbeiten mit den Spezialisten zusammen.

Welche Aufgabe sehen Sie für Keel vor?

Ich bin ihm gegenüber offen und weiss seinen Beitrag zu schätzen. Es kommt nun auf ihn an, ob er bleiben will.

Wenn Keel und sein Team weggingen, habe das Uni-Spital ein Problem, heisst es. Dann verliere die Klinik für Unfallchirurgie ihre Stellung als Referenzzentrum für die Versorgung Schwerstverletzter.

Jeder Personalabgang ist ein Verlust. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Zürcher Unfallchirurgie ihre Stellung behält.

Haben Sie je daran gedacht zu verzichten?

Nein, das war nie ein Gedanke.

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