Die Stadt Zürich ist praktisch vermietet
05. August 2008, 21:58 Von Janine HospIm Kanton Zürich läuft der Wohnungsbau auf Hochtouren. Dennoch wird der Wohnraum knapp. In der Stadt Zürich stehen nur 57 von rund 200'000 Wohnungen leer.
Bei Wohnungsbesichtigungen werden die Schlangen im Treppenhaus wieder länger. Die Entwicklung spiegelt auch die Leerwohnungsziffer, die im Kanton Zürich innert eines Jahres von o,8 auf 0,61 Prozent gesunken ist. Nur noch 3980 der rund 650'000 Wohnungen standen am Stichtag, dem 1. Juni dieses Jahres, leer. Dies teilten heute die statistischen Ämter von Stadt und Kanton Zürich mit.
Am schwierigsten ist es heute, in den grossen Zentren eine Wohnung zu finden: In Zürich standen gerade noch 0,03 Prozent oder 57 der 205'933 Wohnungen leer, in Winterthur 0,13 Prozent. So tief war die Leerwohnungsziffer in Winterthur seit Jahren nicht mehr gesunken - im Vorjahr belief sie sich noch auf 0,47 Prozent. Zürich hingegen verzeichnet in wirtschaftlich guten Zeiten regelmässig so tiefe Werte wie dieses Jahr, etwa Ende der 80er-Jahre oder Anfang dieses Jahrzehnts.
Keine leere Wohnung in Zollikon
Leere Wohnungen sind auch in kleineren Zentrumsgemeinden rar: In Uster, Dübendorf, Dietikon und Kloten ist ihre Zahl innert eines Jahres um mindestens ein Drittel gesunken. Viele Wohnungssuchende, die in Zürich keine zahlbare Unterkunft gefunden hatten, sind in die nahe Agglomeration ausgewichen. Tief ist die Leerwohnungsziffer aber auch in reichen Gemeinden - in Zollikon etwa stand keine einzige Wohnung frei - und in Gemeinden mit relativ vielen Arbeitsplätzen wie Schlieren. Die Gemeinde, die bisher nicht zu den gesuchtesten Wohnorten gehörte, wies mit 0,09 Prozent einen der tiefsten Werte im ganzen Kanton aus.
Erstaunlich ist, dass die Wohnungen trotz der regen Bautätigkeit knapper werden: Im Kanton Zürich wurden alleine in den letzten vier Jahren 30'000 Wohnungen erstellt. In der Stadt Zürich etwa kamen letztes Jahr 2247 Wohnungen auf den Markt, am 1. Juni waren sie allesamt vermietet. Laut Beat Mischler von Statistik Stadt Zürich geht heute praktisch jede Wohnung in der Stadt sofort weg, Grösse, Quartier oder die Höhe der Miete spielen kaum mehr eine Rolle - Zürich sei praktisch ausgemietet. «Früher haben die Finanzen noch Grenzen gesetzt. Heute aber gibt es mehr Mieter, die sich teure Wohnungen leisten könnten, darunter viele hochqualifizierte Immigranten.»
Zürcher wollen grössere Wohnungen
Was ist der Grund für die Wohnungsknappheit? Im Kanton Zürich wächst die Bevölkerung, vor allem durch Zuzüger. Gleichzeitig beanspruchen die Leute mehr Wohnfläche als früher: 1980 gaben sich die Zürcherinnen und Zürcher im Durchschnitt noch mit 34 Quadratmetern zufrieden, im Jahr 2000 mussten es bereits 44 Quadratmeter sein.
Laut Christoph Bischoff vom Statistischen Amt des Kantons Zürich ist es schwierig, Prognosen über die Entwicklung des Wohnungsmarktes abzugeben: Die rückläufige Bautätigkeit würde für eine weitere Anspannung sprechen, das abgeschwächte Wirtschaftswachstum hingegen für eine Erholung.
Zürich
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