Überraschendes Comeback von Ueli Maurer
05. August 2008, 23:21 Von Daniel SchneebeliDer SVP-Parteivorstand schlägt nicht Nationalrat Alfred Heer, sondern Ueli Maurer als neuen Präsidenten der Kantonalpartei vor. Heer soll nur Vize und Chef der Stadtpartei werden.
Mit dem Rücktritt als Präsident der SVP Schweiz schien der Stern von Ueli Maurer am politischen Firmament zu verlöschen. Doch nun beginnt er im Kanton Zürich bereits wieder zu leuchten. Der Vorstand der Kantonalpartei hat Maurer einstimmig zum neuen Präsidenten nominiert. Das teilte am Dienstagabend der noch amtierende Parteichef Hansjörg Frei vor den Medien mit.
Der Wahlvorschlag ist eine dicke Überraschung, denn Maurer sass selber in der Findungskommission, die nach einem neuen Präsidenten gesucht hat. Laut Frei ist Maurer aber aus dem Gremium «sofort ausgetreten», als er auf die Kandidatenliste gesetzt wurde. Frei lobte Maurer in den höchsten Tönen. Dieser sei kompetent, immens erfahren, habe die nötige Gelassenheit, und er sei als Nationalrat in Bern präsent. Dies sei besonders wichtig, da die SVP Zürich in Zukunft noch mehr auf die nationale Partei Einfluss nehmen wolle. «Ich bin glücklich, dass sich Ueli Maurer erneut in den Dienst der Partei stellt», sagte Frei.
Einen Generationenwechsel an der Parteispitze erachtet der 57-jährige Frei als nicht nötig. Viel wichtiger sei, dass der Präsident fähig und erfolgreich sei. Zudem sei Maurer mit seinen ebenfalls 57 Jahren noch nicht alt und durchaus in der Lage, die Partei noch 8 bis 10 Jahre zu führen.
Maurer will noch stärkere SVP
Maurer selber begründete seine überraschende Kandidatur mit der noch immer vorhandenen Motivation, für die Positionen der SVP zu kämpfen. «Die Parteiarbeit war für mich nie ein Muss, ich habe auch das Amt des schweizerischen Präsidenten gern ausgeübt.» Bei seinem Rücktritt hatte Maurer noch erklärt, ihm fehle die Zeit für das Präsidentenamt. Maurer hat sich als Kommunikationsfachmann selbstständig gemacht. Gestern erklärte er nun, er rechne nicht mit gleich viel Aufwand im Zürcher Präsidium - «schon weil die langen Reisewege wegfallen».
Maurer will mit der Zürcher Partei weiteres Wachstum anstreben. «Wir müssen noch stärker werden». Dies gelte auf allen Ebenen - auch im Regierungsrat. Für die Kantonalpartei schloss er die Oppositionsrolle aus.
Heer nur die Nummer zwei
Der Kronfavorit fürs Zürcher SVP-Präsidium, der 46-jährige Stadtzürcher Nationalrat Alfred Heer, muss sich nach dem heutigen Entscheid mit dem Vizepräsidium hinter Maurer begnügen. Zudem wird er laut Hansjörg Frei als Präsident für die Stadtpartei kandidieren. Der jetzige Präsident, Rolf André Siegenthaler, werde aus beruflichen Gründen zurücktreten. Frei zeigte sich überzeugt, dass die Partei mit dem Gespann Maurer/Heer «optimal aufgestellt sei» und dass die Stadtpartei mit Heer an der Spitze etwas näher an die Kantonalpartei heranrücke.
Wenn die SVP-Delegiertenversammlung am 19. August Ja sagt zu Ueli Maurer, dann ist er der dritte gewählte Präsident in der Nach-Blocher-Ära. Christoph Blocher war 2003 nach 26 Amtsjahren als Zürcher Parteipräsident zurückgetreten. Der Hinwiler Ueli Maurer ist wie seine Vorgänger Hansjörg Frei (Mönchaltorf) und Peter Good (Bauma) bereits der dritte Mann aus dem Zürcher Oberland, der sich nach Christoph Blocher an der Spitze der Volkspartei versucht.
Zürich
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