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Graubünden

Schneeschuhmekka Mattjisch Horn

28. Februar 2006, 17:09

Viele Schneeschuhläufer suchen zwei Dinge: die Weite und das Gefühl, in den Bergen zu sein. Am Mattjisch Horn zwischen Schanfigg und Prättigau finden sie beides in idealer Form.

Die Region rund um das Mattjisch Horn zieht viele Schneeschühler an, ist aber kein Rummelplatz.
Die Region rund um das Mattjisch Horn zieht viele Schneeschühler an, ist aber kein Rummelplatz.
Von David Coulin

Auf der Arflinafurgga ist Pause. Absitzen, ausatmen, ausstrecken. Der Blick gleitet zurück entlang der Schneeschuhspur, die sich einsam in einer endlosen Hochebene verliert. Dahinter verborgen und weit weg liegt das kleine Familienskigebiet der Fideriser Heuberge. Weit weg erscheint auch die Fahrt mit der Rhätischen Bahn vom frühlingshaften Rheintal durch die Landquarter Klus nach Jenaz im Prättigau (das Schneeschuhparadies des Mattjisch Horn lässt sich ab Landquart am besten mit dem öffentlichen Verkehr entdecken). Und weit weg sind die beklemmenden Gefühle im Skibus, der sich elf Kilometer auf der berühmten Fideriser Schlittelpiste zum Berghotel Arflina hinaufwand.

Denn schon sind wir seit anderthalb Stunden unterwegs, haben nichts gesehen ausser Weiss und Blau und von weitem etwas Hüttenbraun, nichts gehört ausser dem Knirschen der Schneeschuhe und unserem Atem und nichts gespürt ausser unserem Körper und speziell den Beinen, wie sie sich im wadentiefen Schnee Schritt für Schritt vorgearbeitet haben. Das Schneeschuhlaufen kennt kein anderes Ziel als den Weg und die immergleiche, meditative Bewegung.

Auf der Furgge holen uns neue und überraschende Weit- und Tiefblicke wieder zurück in Raum und Zeit. Im Süden leuchtet die Bergstation des Aroser Weisshorns auf. Die Hänge des Weisshorns gehen in die Churer Alpen über, und die führen zum Schanfigg, das sich in einem weiten Bogen unter unseren Füssen hindurch bis nach Chur erstreckt. Es ist nicht das Schanfigg, wie man es vom Zug- oder vom Autofenster her kennt, wenn man nach Arosa fährt. Nicht das enge, sagenumwobene Tal mit den grausigen Seitentobeln, in deren Flanken die Erosion bizarre Türme aus Stein und Schutt zurückgelassen hat. Hier schauen wir zuerst hinab auf eine sanfte Sonnenterrasse, auf der sich wieder eine Schneeschuhspur hinaufzieht. Sie hat ihren Ursprung beim Skihaus Hochwang, dem zweiten Zugangspunkt zu dieser kleinen, weiten Welt rund ums Mattjisch Horn. Der Westrücken des Mattjisch Horn zieht sich von der Arflinafurgge zuerst sanft, dann immer steiler werdend bergan bis zum Gipfel beim Punkt 2460. Da kann, da muss man aber nicht hinauf. Sicher, die Aussicht vom Gipfel ist fast grenzenlos.

Wenn es Frieden gibt, dann hier

Mit jedem Meter taucht im Norden ein Stück Rätikon auf, der Calanda und das Weissfluhjoch zeigen sich. Und oben teilt man sich den Gipfel mit den Skitouristen, die zielbewusst hier hinaufgestrebt sind. Aber das Schneeschuhwandern hat seinen eigentlichen Reiz gerade nicht im Erstürmen von Gipfeln. Eher geht es darum, in leicht geneigtem Gelände von Kuppe zu Kuppe, von Ecke zu Ecke, von Übergang zu Übergang zu wandeln und sich von dem überraschen zu lassen, was dahinter ist. Das wollen wir tun, und so folgen wir nur wenig dem Grat, um nachher, auf gleicher Höhe bleibend, unter dem Mattjisch Horn durch zu queren. Wieder sind wir während einer Stunde allein mit uns, der Aussicht und der traumhaften Umgebung. Kein Stress, kein Schweiss, dafür kilometerlang Musse. Zum Gehen, zum Stehenbleiben, zum Staunen. Wenn Friede irgendwo stattfindet, dann hier. Erst ganz vorne, dort, wo der Südgrat des Mattjisch Horn ein kleines Pässchen bildet, um nachher jäh ins Langwies abzustürzen, treten wir in eine neue Geländemulde ein. Und wieder liegt ein sanftes, weites Tal vor uns. Es ist das Fondei, das bis jetzt dank dem Einsatz von Umweltschützern von Bahnanlagen verschont geblieben ist.

So ist das Skihaus Casanna, zu dem wir nun absteigen, eigentlich kein Skihaus, sondern ein heimeliges Berggasthaus, in dem die Familie Menegon nun schon seit 32 Jahren wirtet. «Wenn die Bahnen gekommen wären, wären wir gegangen», sagen sie. So sind sie aber geblieben, verwöhnen ihre Gäste mit währschafter Kost und selbst gebackenen Köstlichkeiten und heizen am Abend den Kachelofen in der Wirtsstube. Und so bleiben auch die meisten Ankömmlinge nicht nur für eine Suppe, sondern auch fürs Znacht. Ausser es eilt und sie müssen noch am selben Tag zurück nach Langwies, mit der Arosabahn nach Chur und von dort nach Hause. Dann schnallen sie die Schneeschuhe auf den Rucksack, der Wirt bringt original Davoser Holzböcke aus der Garage, und schlitteln ist angesagt: aufsitzen, einatmen und abfahren.

Die Tour, die Anreise, die Beizen

Die Route

Vom Skihaus Arflina (Fideriser Heuberge) entlang einem kurzen Lift, dann über Clun zur Arflinafurgga. Von dort rechts haltend auf dem Grat bis zum Punkt 2262, dann über Spitzenbüel zum Pässchen bei Punkt 2414. Von dort leicht bergab ins Fondei zum Skihaus Casanna. Zu Fuss oder mit dem Schlitten nach Langwies. Die Route weist keine technischen Schwierigkeiten auf und gilt als relativ lawinensicher. Bei schlechter Witterung ist die Orientierung anspruchsvoll. Für Unerfahrene oder Gruppen empfiehlt sich in jedem Fall der Beizug eines Bergführers.

Fideriser Heuberge 2000 m ü. M.

Mit öffentlichem Verkehr: Mit SBB bis Landquart, dann mit RhB bis Fideris (Fahrplanfelder 900, 910). Von Fideris Station Rufbus bis Fideriser Heuberge. Reservation über Berggasthaus Arflina, Tel. 081 332 13 04, arflina@fideriserheuberge.ch , oder Berghaus Heuberge, Tel. 081 332 13 05, heuberge@fideriserheuberge.ch . Schlittenmiete: 10 Franken. Weitere Informationen: www.heuberge.ch

Skihaus Hochwang 1968 m ü. M.

Im Winter durchgehend bewartet, 40 Schlafplätze. Telefon 081 374 11 08. Kein Strom. Zugang ab Sessellift Fatschel ob St. Peter ca. 20 Min.

Skihaus Casanna 1944 m ü. M.

Im Winter durchgehend bewartet, 30 Schlafplätze. Tel. 081 374 20 82. Fahrstrasse ab Langwies bis Strassberg/Skihaus Casanna im Winter gesperrt (Schlittelpiste, Schlittenmiete beim Skihaus Casanna). Von Langwies ca. 2 Std.

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