Bergbahnen wollen Hochpreis-Image bekämpfen
10. November 2006, 18:58Viele Schweizer Sportbahnen haben Mühe, ihre Kunden zu halten. Das bringt sie auf Ideen.
Inhaber von Bergbahntickets im Engadiner Skigebiet erhalten in der neuen Wintersportsaison an Schlechtwettertagen einen Gutschein. Damit können sie das jeweils gültige Alternativangebot des Tages (Besichtigungen, Pizzaessen oder Ähnliches) nutzen.
An manchen Orten der Schweiz ist die Auslastung der Bergbahnen im Winter nicht immer befriedigend. Viele Bahnen erhöhen zwar auf diese Saison geringfügig die Preise – aber selten wegen steigender Nachfrage. Sie brauchen oft Geld, um mit den Zahlungen nachzukommen.
Der Hintergrund: Die Gäste, vor allem Familien, die für viel Geld ein Abo gelöst haben, bekommen schnell den Verleider, wenn sie es nicht amortisieren können. Sie können aus immer mehr Nebenangeboten auswählen, die von den Bahnen unabhängig sind – und oft gratis: Winterwanderwege, Schneeschuhtrails, Wellness, Events etc. Kaum jemand fährt noch eine ganze Woche nur Ski oder Snowboard.
Wie am Corvatsch hat man auch anderswo gemerkt, dass dies auf die Dauer gefährlich ist. Da und dort tauchen neue Ideen auf – Mehrleistungen oder Preisreduktionen, die nicht wie kurzlebige Aktionen wirken. Die Region Lenzerheide erhält einen 4*-Funpark, den jeder Ticket- oder Aboinhaber gratis nutzen kann. In Arosa können Leute mit Jahrgang 1932 oder Ältere alle Tickets zum Jugendtarif bekommen. Die Quattro-Saisonkarten, mit denen man bisher in Chur-Brambrüesch, Hochwang, Tschiertschen und Pradaschier freie Fahrt hatte, kosten dieses Jahr etwas mehr, sind aber auch für Feldis gültig. Die fünf nicht zusammenhängenden Gebiete schaffen gemeinsam Mehrwert.
Adelboden und die Minifamilie
In Adelboden will man den drohenden Gästeschwund mit anderen Mitteln bekämpfen. Der Berner Oberländer Ort lässt künftig schon eine erwachsene Person mit einem Kind aus der Familie als Familie gelten, die Anrecht auf vergünstigte Familientickets und -abos hat. Amden verschenkt bis kurz vor den Skiferien (3.–26.1.07) und ab 26.2. bis Saisonende an jeden Hotelgast einen Tagespass.
Sogar Luxusanbieter wie die Region Gstaad, die hohe Wachstumsraten aufweisen, wollen der eventuellen Gästeabwanderung vorbeugen. Kinder bis 16 bekommen in den acht Berghäusern der Gstaader Bahnen ein Menü für 10 Franken samt Getränk. Auch Gäste mit Geld rechnen eben. Offenbar auch in Zermatt, wo Kinder bis 9 die Bahnen gratis benützen dürfen. All das soll das Ich-zahle-zu-viel-Gefühl dämpfen.
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