Kanarische Inseln
La Palma: Wandernd von der Wüste in den Regenwald
05. Oktober 2007, 05:00Die Insel La Palma bietet wenig für Badetouristen, dafür lockt sie Wanderer mit abwechslungsreicher Landschaft. Und perfekt markiertem Wegnetz.
Man könnte die Wanderer auf La Palma auch gleich mit «Grüezi» oder «guten Tach» grüssen. Von zehn Personen auf den Bergwegen sind vielleicht acht Deutsche, einer Schweizer und einer nicht ganz klar einzuordnen. Man grüsst sich dann aber doch mit einem etwas kantigen «Hola» – schliesslich könnte sich unter den zehn Prozent Unbestimmbaren doch noch ein Einheimischer verstecken, und man will ja einigermassen höflich sein.
Keine sonnenbadenden Horden
La Palma steckt noch nicht so sehr in den Klauen des Massentourismus wie andere Inseln der Kanaren. Das hat natürlich damit zu tun, dass es hier keine langen, weissen Sandstrände gibt. Da und dort sieht man einen kleinen Kiesstrand, in den wenigen Touristenorten wurden Strände aus schwarzem Lavasand künstlich angelegt. Kein Problem für die Wanderer; sie sind vielleicht auch mal mit einem Bad in einem Bergbach zufrieden – und mögen in der Regel die sonnenbadenden Horden nicht allzu sehr. Auch die Inselregierung hat sich unterdessen auf eine Art Qualitätstourismus eingeschworen; mit EU-Unterstützung werden da und dort neue Attraktionen errichtet. Kürzlich wurde beispielsweise in Los Llanos ein Museum zur Geschichte der Ureinwohner eröffnet.
Qualitätstourismus ist das eine Standbein, das andere ist die Konzentration auf die Wandervögel aus Deutschland und der Schweiz, die man mit einem sorgfältig markierten Wegnetz und neuen Wanderkarten hätschelt. Die Wege werden nicht wie bei uns nach Schwierigkeitsgraden farblich unterschieden, sondern nach der Länge der Routen: Die längsten Touren, von denen eine rund um die Insel geht, sind rot-weiss markiert, die mittleren gelb-weiss und die lokalen Routen grün-weiss. Eine gute Hilfe sind die Zeichen bei Kreuzungen; wer versehentlich den falschen Weg gewählt hat, wird mit einer speziellen Markierung darauf aufmerksam gemacht (selbstverständlich ist auch der richtige Weg markiert).
Lanzarote mit einem Schuss Tessin
Unterschätzen darf man die Gefahren in den Bergen trotzdem nicht. Zum einen steckt die Insel an manchen Orten häufig in den Wolken, was die Orientierung ziemlich schwierig machen kann. Zum andern sind zwar die Markierungen recht gut, dafür aber die Wanderbücher in aller Regel verwirrend bis falsch. Man sollte sich also einigermassen im bergigen Gelände orientieren können. Wer das nicht gewohnt ist, sollte sich besser einer der zahlreichen geführten Touren anschliessen. Es mag seltsam klingen für Leute, die vor allem Lanzarote und Fuerteventura kennen, doch auf La Palma sind schon einige Wanderer von einem reissenden Fluss überrascht worden und ertrunken.
Aber keine Angst: Die meisten Wanderungen sind absolut ungefährlich, manches sogar mit Turnschuhen zu machen, zum Beispiel zwei Schnuppertouren, die uns gleich einen Einblick in die unterschiedlichen Landschaften geben. Zum Start empfiehlt sich ein Spaziergang bei La Cumbrecita, wo man in den riesigen Erosionskrater der Caldera hinunterschauen kann. Neun Kilometer breit und 2000 Meter tief ist dieser Kessel, den man kreuz und quer durchwandern kann. Vorerst steht aber erst das Strässchen zum Aussichtspunkt Lomo de las Chozas auf dem Programm. Der vorherrschende Landschaftseindruck auf La Palma sind die schwarzen Vulkanwüsten und die unendlichen Kiefernwälder – Lanzarote mit einem Schuss Tessiner Berge. Gewissermassen das Gegenstück dazu sind die feuchten Lorbeerwälder, die man beim Besucherzentrum von Los Tiles im Osten der Insel sehen kann. Der feuchte Wald mit den meterhohen Farnen und den bemoosten Felsen erinnert stark an einen Regenwald.
Klettern zum farbigen Wasserfall
Nach dieser doppelten Annäherung an die Insel kann es losgehen mit den richtigen Wanderrouten, für die gutes Schuhwerk unbedingt empfohlen wird. Für die meisten Routen empfiehlt sich zudem ein Mietwagen, der einen zu den meist hoch oder abgelegenen Ausgangspunkten führt. Die «Wanderung» zum höchsten Punkt der Insel, dem Roque de los Muchachos auf 2426 Meter Höhe, findet sowieso hauptsächlich im Wagen statt – jedenfalls bis auf gut 2300 Meter zur Degollada de Franceses. Von dort geht es zu Fuss weiter in angenehmem Auf und Ab immer dem Kraterrand entlang. Besonders eindrücklich ist der Pared de Roberto, eine Wand aus Lava, die wie gemauert aussieht.
Nach dem Kraterrand geht es ins Innere des Kessels. Von Los Llanos fährt man zu einem Parkplatz im Barranco de las Angustias, dem «Tal der Todesängste» – das nicht wegen der Gefahren für Wanderer so heisst, sondern weil sich hier im 15. Jahrhundert die Ureinwohner vor den spanischen Eroberern versteckten. Kleinbusse und Jeeps bringen einen zum fast 100o Meter höher gelegenen Aussichtspunkt Los Brecitos, wo die angenehme Wanderung auf gepolstertem Waldboden immer leicht abwärts zunächst ins Herz der Caldera und schliesslich dem Fluss entlang zum Ausgangspunkt führt. Höhepunkt ist der so genannte farbige Wasserfall, den man mit ein bisschen leichter Kletterei erreicht. Es lohnt sich auf jeden Fall; je nach Lichteinfall schillert der Wasserfall (eigentlich natürlich die Steine darunter) in allen Gelb- und Rottönen.
Die schönste Wanderung ist aber die Vulkanroute, die vom Refugio El Pilar über unzählige Vulkankrater bis in den Süden nach Los Canarios führt. Vom knalligen Rot bis zum schwärzesten Schwarz hat die Landschaft hier alle Farbnuancen zu bieten. Dazwischen immer wieder kurze, erholsame Waldetappen. Die Einheimischen stellen ihren Wagen am Vorabend ans Ziel und lassen sich am nächsten Tag mit dem Taxi zum Ausgangspunkt fahren. Wer diesen Aufwand scheut, kann aber auch eine abgekürzte Vulkantour unternehmen und wieder zum Start zurückwandern. Mindestens bis zum Pico Nambroque sollten einigermassen ambitionierte Wanderer aber schon vorstossen. Und weil dieser Gipfel leicht abseits des Touristenpfads liegt, trifft man hier plötzlich auch auf überdurchschnittlich viele einheimische Wanderer.
Die kleine Wanderkarte «Red de senderos de La Palma» des Cabildo La Palma ist in allen Tourismusbüros erhältlich.%perl>
Was man über La Palma zusätzlich wissen sollte
Schiff oder Flugzeug? In der Hochsaison gibt es direkte Flugverbindungen nach La Palma. Ausserhalb jedoch muss man sich entscheiden: Flugzeug oder Schiff von Teneriffa her? Flugvariante: von einem Flughafen zum andern fährt man neunzig Minuten im Bus. Schiff: man wartet Stunden in Los Cristianos auf Anschluss. Olsen und Armas bieten je eine Fahrt abends nach La Palma.
Ost oder West? In der Regel weht ein Nord-Ost-Wind. Die Wolken stauen sich kilometerweit an den Bergen und sorgen für verstärkte Bewölkung im Osten der Insel. In Los Llanos im Westen zählt man durchschnittlich 280 Millimeter Regen pro Jahr, in der Hauptstadt Santa Cruz im Osten dagegen 500 Millimeter.
Kraterschwimmbecken. Es mangelt zwar an hübschen Stränden, dafür gibt es zwei sehr schöne Meerschwimmbecken. Grosse Kraterbuchten hat man vorn mit Mauern abgeschlossen und damit grosszügige Badebecken geschaffen. Eines, Charco Azul, liegt nördlich von San Andrés, das zweite bei La Fajana. Blätternder Charme zeichnet beide aus.
Aktuelles: La-Palma-aktuell.de. Aktuellste Informationen aus der Sicht eines eingewanderten (und sehr gewissenhaft informierenden) Deutschen. Hier findet man auch alle Infos, die uns die Tourismusbüros so gern verschweigen. (ak.)
Unterkunft: Hotel oder Landhaus das ist die Frage. Es gibt viele Landhäusern (zum Teil in deutschem Besitz). Infos unter www.la-palma-turismo-rural.de. Riesige Hotelklötze gibt es noch nicht, dafür einige überschaubare Appartementanlagen in den zwei Haupttourismusorten im Osten (Los Cancajos) und Westen (Puerto Naos). Empfehlenswert z.B. Las Olas in Los Cancajos. (bs)
Tipps und Infos Kanaren
Zu den Kanaren (autonome Region Spaniens) gehören Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, La Palma, La Gomera, El Hierro und fünf kleine Inseln. Einwohner: total ca. 2 Millionen.
Reisezeit: ganzes Jahr. Tipp: Herbst/Frühling.
Anreise: Charter auf diverse Inseln. Linienflüge nach Fuerteventura direkt mit Air Berlin; für La Palma/La Gomera via Teneriffa, weiter per Schiff (www.trasmediterranea.es, www.naviera-armas.com, www.fredolsen.es) oder Flug (www.binternet.com).
Infos: www.spain.info, www.turismodecanarias.com; span. Tourismusamt, Tel. 044 253 60 50.





































































































































































