Leben

Auf Yeti-Latschen rund um die Hütte

19. Dezember 2007, 18:14

Es gibt Gebiete, die für eine Schneeschuhwanderung wie geschaffen sind. Eines davon ist die Region um die Druesberghütte oberhalb Hoch-Ybrig.

Mit den Schneeschuhen allein auf weiter Flur im Schwyzer Druesberggebiet zwischen Fidisberg und Wannen, im Hintergrund ist der Sihlsee zu erkennen.
Mit den Schneeschuhen allein auf weiter Flur im Schwyzer Druesberggebiet zwischen Fidisberg und Wannen, im Hintergrund ist der Sihlsee zu erkennen.
Von David Coulin

Die Alpstrasse, die sich von der Talstation der Hoch-Ybrig-Seilbahn anderthalb Gehstunden lang zur Druesberghütte hochwindet, ist so präpariert, dass auch Winterwanderer ohne Schneeschuhe an den Füssen mühelos über die Waldgrenze hinauffinden. Sie tauchen ein in eine weite Hochebene, die sich zwischen Druesberg und Biet über dem Sihltal ausbreitet.

Die Plätze auf der schon am Vormittag besonnten Terrasse der Druesberghütte wird man sich mit Skitouristen teilen, die in aller Herrgottsfrühe zu ihren Tourenzielen aufgestiegen und nun zurückgekehrt sind. Für sie ist das Tagwerk schon getan. Denn der Schnee beginnt oft schon vor der Mittagszeit faul zu werden, sodass er unter den Ski rupft und die Abfahrt schmerzlich zu hemmen anfängt.

Schneeschuhleute habens einfacher

Schneeschuh-Wanderer kennen dieses Problem nicht. Sie können auch erst nach dem Elfuhrkaffee mit der Tour beginnen. Wer nur mal schnuppern will, kann bei der Druesberghütte Schneeschuhe mieten. Und das tun immer mehr Leute. Denn kein Gebiet weit und breit eignet sich besser für Schneeschuh-Ausflüge als die Geländekammern rund um den Schülberg und den Fidisberg nahe der Druesberghütte.

Die zu überwindenden Höhenunterschiede sind bescheiden, dafür locken die Weiten der Hochebenen, die sich zwischen die Gipfelkuppen schieben. Sie laden ein zu sanften Rundwanderungen inmitten eines schon fast alpinen Ambientes, und vielleicht liegt sogar ein Abstecher auf einen der umliegenden Gipfel drin. Denn die Lawinensituation ist hier meistens günstig. Wer sich nicht grobfahrlässig in die steilen Bergflanken versteigt, hat in der Regel wenig zu befürchten.

Wer neu ist, lernt besser mit Führer

Trotzdem: Wer unerfahren ist, wird sich bei Hüttenwart Sepp Herger für eine geführte Tour anmelden, sich in die Kolonne der postmodernen Yetis einreihen und feststellen, dass das Gehen mit Schneeschuhen auf ziemlich normale Weise möglich ist. Viele Schneeschuh-Modelle sind heute so gestylt, dass man nicht mehr wie eine Bergente vorwärts zu watscheln braucht; man kann die Schuhe ohne Ausweichbewegung aneinander vorbeibringen. Heute benützt man keine überdimensionierten Tennisschläger mehr, sondern schmale Kunststoffmodelle mit griffigen Zackenkränzen. Leider ist das für Schneeschuh-Touren wohl geeignetste Produkt der Marke MSR noch teuer – da kann es sich lohnen, mit dem Kauf etwas zuzuwarten; das Patent läuft demnächst ab. Oder man wird sich nach einem der weit billigeren Produkte umsehen, die jetzt auf dem Markt sind und praktisch dieselben Eigenschaften aufweisen.

Auf bequemen Trampelpfaden führt Sepp Herger hinein in Gegenden, die bislang von menschlichen Spuren unberührt blieben. Für Winterwanderer war der Schnee zu tief, für die Skitouristen winkten zu wenig Abfahrts-Höhenmeter.

Meditation im Rhythmus der Hüften

Jetzt aber, mit den Schneeschuhen, erschliessen sich hier eine ganze Reihe von Mulden und Kreten, von Kammern und Pässchen. Und immer wieder tun sich neue Blicke auf. Einmal schauen wir hinunter ins Sihltal, zum Sihlsee und weiter am Zürichsee vorbei bis zum Bachtel, ein andermal entdecken wir hinter den schroffen Flanken des Fluebri die Gletscherebene des Glärnisch. Meist bleiben die Augen allerdings auf die Spur gerichtet und wiegen im Rhythmus des ganzen Oberkörpers sanft hin und her. Ein Rhythmus, der seinen Ursprung tief in den Hüften hat und der das Schneeschuhlaufen zu dem macht, was es auch ist: eine Form der Bewegungsmeditation.

Rastplatz auf der Rundwanderung mit Sepp Herger ist die Alp Hinterofen. Sie liegt am Rand einer Hochebene, die von Bergkuppen und Bergkränzen so idyllisch eingefasst ist, dass sie Drehort für den nächsten Heidi-Film sein müsste. So einladend es nun wäre, allein seine Spuren durch die blütenweisse Hochebene zu ziehen – wir werden mit Rücksicht auf die unberührte Natur hintereinander bleiben, obwohl hier weder ein Jagdbanngebiet noch eine sonstige Naturschutzzone Einschränkungen auferlegt.

In vielen andern Gebieten in der Zentralschweiz ist das anders. Wer dort nicht auf fest markierten Trails unterwegs ist oder sich an die Routen hält, die im Schneeschuh-Tourenführer beschrieben sind, riskiert, bewusst oder unbewusst in Schutzzonen einzudringen. Denn Hinweis- oder Warntafeln fehlen noch mancherorts, und nicht alle Zentralschweizer Blätter der Swisstopo-Skitourenkarte sind auf dem neusten Stand.

Mit dem Gämel rasant zurück ins Tal

Zurück in der Druesberghütte. Die Sonne steht flach am Horizont, und das Gros der Tagesgäste ist bereits wieder abgezogen. Denn unten ist man schnell - auf den original Druesberger Schneegämeln. Gegen fünfzig dieser Geräte lagern in der Garage des Berghauses, und an Spitzentagen finden die auf einen Ski montierten, mit seitlichen Handgriffen steuerbaren Hocker mehr als einmal täglich den Weg hinunter zur Weglosen. Schluss also mit der Schneeschuh-Beschaulichkeit, im Gegenteil: Adrenalinstösse sind angesagt, während die Gämel mit einem nicht immer kontrollierten Tempo die präparierte Alpstrasse hinunterpreschen. Und wir mit ihnen.

Vom gleichen Autor: Schneeschuh-Tourenführer Zentralschweiz. Vom Brienzer- zum Zürichsee. 61 Schneeschuhtouren, Routenfotos, Kartenskizzen und GPS-Koordinaten. SAC-Verlag, 2007. 200 S., 44 Fr.

Drei weitere Schneeschuhmärsche

Eine Vollmondtour im Schächental
Bei Schneeschuhläufern bekannt sind die Mondscheinwanderungen auf der Schächentaler Panoramaterrasse zwischen Flüelen-Eggbergen und der Bergstation der Seilbahn Bürglen–Ruogig. Besonders stimmungsvoll in Kombination mit einem Fondueplausch im Alpstubli Selez ob Ruogig.
Termine, Fahrpläne usw. unter www.ruogig.ch. Alpstubli: Tel. 041 870 54 73 oder 041 870 87 56.

Schneeschuh-Wandern am Schlierengrat
Wer Schneeschuh-Touren unternimmt, muss genau wissen, ob die geplante Route in einem Schutzgebiet verläuft. Eine solche Route führt über den Schlierengrat in der Nähe des Glaubenbergpasses bei Sarnen OW. Hier befinden sich Auerhähne im Winterschlaf. Deshalb ist die Begehung dieses Naturreiches strikte verboten. Es gibt eine Ausnahme: Wer einen ausgebildeten Routenführer engagiert, darf die heikle Stelle passieren. Dabei erlebt man nicht nur eine landschaftlich äusserst reizvolle Tour, sondern man lernt auch viel über die Pflanzen und Tiere, deren Lebensraum man durchstreift.
Kompetente Informationen sind beim Berghotel Langis oder bei Fredy Glanzmann Sport erhältlich. Hier können auch Schneeschuhe gemietet werden. Informationen: Tel. 041 675 27 46, www.glanzmannsport.ch www.berghotel-langis.ch

Auf Schneeschuh-Trails zur Grossen Scheidegg
Schneeschuh-Trails sind deutlich signalisierte Schneeschuh-Routen, die auch ohne grosse Erfahrung begangen werden können. Ab Schwarzwaldalp zuhinterst im Rosenlauital ist ein acht Kilometer langer, besonders reizvoller Schneeschuh-Trail über Oberläger auf die Grosse Scheidegg ausgeschildert – im Angesicht von Wetterhorn und Eiger.
Es besteht dazu eine Variante über Alpiglen–Bidem. Zugang zur Schwarzwaldalp mit Pw auf einer Bergstrasse, die unterhalb der Passhöhe zwischen Meiringen und Innertkirchen nach rechts abzweigt. Achtung: Die Strasse kann im Winter meist nur mit Schneeketten befahren werden und wird auch als Schlittelpiste genutzt. Wenn die Schlitten dabei sind, können auf dem Nachhauseweg also alle ausser dem Chauffeur noch etwas schlitteln. (cou)
www.schwarzwaldalp.ch Infos zu allen Schneeschuhtrails in der Schweiz: www.globaltrail.net

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