Die letzten Urwälder in Mitteleuropa eine Übersicht mit Highlights
22. März 2006, 18:04In Mitteleuropa gibt es nur noch wenige Urwälder. Eine Reise in einen der letzten intakten Urwälder lohnt sich erst recht.
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Infografik
- Wälder in Europa
Nur 0,1 Promille der Waldfläche Mitteleuropas ist heute noch als Urwald erhalten. Dies schätzt Forstexperte Andreas Speich. Nicht eingerechnet sind die Wälder von Russland, dessen Territorium rund 40 Prozent von Europas Fläche einnimmt.
Mitteleuropas letzte Urwaldreste blieben aus verschiedenen Gründen erhalten. Gewisse Waldpartien sind derart schwer erreichbar, dass der Abtransport von Baumstämmen früher technisch unmöglich war. Einige Waldgebiete wurden auch von Fürstenhäusern als Jagdgründe geschützt; die prestigeträchtige Jagd hatte Vorrang vor Holzwirtschaft und Rodung. Nur ausnahmsweise wurden Urwaldgebiete aus bewusster Wertschätzung des naturkundlichen Wertes und als Denkmal vergangener Zeiten geschützt. So erklärte 1838 Graf Buquoy 99 Hektaren seines Buchen- und Tannenurwalds in Südböhmen zum geschützten Reservat, trotz guter Erschliessung und trotz des hohen Wertes für die Holzwirtschaft. Heute ist ein Grossteil der letzten Urwälder Mitteleuropas durch staatliche Verordnungen geschützt. Naturschutzorganisationen und Umweltministerien haben ihren Wert erkannt. Einerseits zieht die stille Anmut der Urwälder naturverbundene Reisende an, anderseits ist ihre biologische Vielfalt von unschätzbarem Wert für die Forschung.
Europas bekannteste Urwälder
Westukraine: Die Buchenurwälder im Biosphärenreservat Transkarpatiens sind die grössten Laubholzurwaldreservate Europas. Tipp: «Urwälder im Zentrum Europas», ein Naturführer zum Karpaten-Biosphärenreservat in der Ukraine von Urs-Beat Brändli (Haupt-Verlag) oder www.waldwissen.net.
Polen: Bialowieza (Nordostpolen), für Europa einer der bedeutendsten, zirka 5000 Hektaren grosser Laubmischurwald. Sehr gut erforscht. Infos: www.bialowieza.de, www.bialowieza.net.pl/eng. Der Lindenurwald bei Muszyna, Südpolen, vermittelt ein Bild, wie der Wald in den Mitteleuropäischen Gunstlagen vor etwa 6000 Jahren aussah.
Bulgarien: Buchen- und Eichenurwaldreservate auf Ausläufern des Rhodopengebirges an der Grenze zu Griechenland, im Balkangebirge und im Gebiet von Strandja an der türkischen Grenze. Ursprungsgebiete vieler Pflanzen, die sich von hier aus nach der Eiszeit über Europa ausbreiteten.
Kroatien: Kleines Urwaldreservat im Nationalpark um die bekannten Plitvicer Seen.
Italien: Laubmischurwald von Sasso Fratino (Gemeinde Bagno di Romagna Terme) östlich von Florenz.
Österreich: Ca. 12 Reservate vor allem im Gebirge. Der Rotwald bei Langau ist das bedeutendste. Bekannt ist auch das Buchen- und Lindenurwaldreservat bei Dobra im Waldviertel.
Frankreich: Wilde Waldgebiete mit urwaldähnlichen Relikten finden sich u.a. im französischen Jura, in den Pyrenäen, Cevennen und in entvölkerten Regionen der französischen Alpen (z.B. Mercantour).
Schweiz: Auch hier gibt es einige Minireservate. Es sind dies die Derborance VS, Scattle bei Brigels GR und Bödmeren am Pragelpass SZ. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch das grosse, von Andreas Speich ins Leben gerufene Naturwaldreservat Sihlwald südlich von Zürich, das sich im Lauf der Jahrzehnte in einen urwaldähnlichen Zustand zurückverwandeln soll. Hier gibt es mittlerweile einzelne Partien, die von echtem, seit jeher unberührtem Urwald kaum zu unterscheiden sind.
Weitere: Bedeutende Urwaldreservate befinden sich ebenfalls in Rumänien, Tschechien, Slowenien, Bosnien und in der Slowakei. (hpr)





































































































































































