Reise-Special Trends 2007
New York provoziert mit seinem Tempo zum Kurzbesuch
05. Januar 2007, 17:07Manhattan für zwischendurch: 48 Stunden Hochdruck in der Welthauptstadt.
Wäre diese Stadt ein Organismus, man könnte meinen, New York atme Taxis ein und aus. Oder sie schwemmten durch die Strassen von Manhattan wie Blutkörperchen durch die Aorta. In endlosen Strömen werden sie von frühmorgens bis spätnachts über die Williamsburg Bridge und durch den Queens Midtown Tunnel gepumpt, sortieren sich an den Ampeln neu, umfliessen Engpässe, rauschen an Gabelungen in alle Abzweigungen hinein. «The city that never sleeps – die Stadt, die niemals schläft», hat Frank Sinatra schon vor Jahrzehnten gesungen. Und liesse sich Wahrheit steigern – der Song wäre nie wahrer als jetzt: Manhattan ist das Herz dieser Stadt, vielleicht der Erde. Schnell, hektisch, nicht zur Ruhe zu bringen, in immer währender Aktivität gefangen.
Immer mehr Besucher schauen nur kurz vorbei – sie jetten rüber aus Europa, aus Japan, aus Südamerika: New York in 48 Stunden. Ein paar Sehenswürdigkeiten, unendlich viele Eindrücke, ein paar Erinnerungsstücke in Plastiktüten entlang der Fifth Avenue erbeuten, danach zum Beispiel im LAtelier de Joel Robuchon hervorragend essen, vielleicht ein Musical am Broadway erleben – und wieder für Stunden am Himmel herumsitzen und zurückjetten.
Dichtes Flugnetz macht es möglich
Keine Langstrecke ist unter den Airlines so umkämpft, auf keiner anderen Route das Netz so dicht geflochten wie aus aller Welt nach New York. Das hält die Ticketpreise im Keller – und macht Kurztrips möglich. Und als ob sich alle verbündet hätten, fördern Hotels diesen Trend: In keiner anderen amerikanischen Stadt sind die Zimmer teurer – auch das ein Grund, nur kurz zu bleiben und sich zwischenzeitlich der Pulsfrequenz New Yorks anzupassen.
Die Fahrt im Taxi gehört für viele ausländische Fahrgäste zum Urlaubsgefühl: weil sie diese Stadt im Taxi unmittelbarer spüren als überall sonst. Weil sie plötzlich mitten im Lebensrhythmus der Megametropole stecken, dazugehören, nur durch eine gelb lackierte Blechwand von der Welt da draussen getrennt sind und bloss vierzig Cent pro Fünftelmeile Fahrtstrecke für das Erlebnis zahlen müssen: vorbei an all den Bildern, die sie aus dem Kino kennen – oder vom letzten Besuch. Reize sind im Übermass vorhanden – abschalten ausgeschlossen.
Das wahnsinnige Tempo dieser Stadt provoziert zum Kurzbesuch. Wie lange sollte man sonst auch bleiben? Eine Woche? Das ist wie zwei Tage. Ein Monat? Das reicht nicht, um diesen Moloch halbwegs zu erkunden. Ein Jahr? Davon ist die US-Einwanderungsbehörde nicht begeistert. New York erschöpfend zu entdecken – das funktioniert nicht. Zwei Tage sind deshalb ideal, zweimal volles Programm, Auswahl aus tausenderlei Möglichkeiten, Millionen von Kombinationen, ganz nach eigenen Vorlieben, nach Wetter, Öffnungszeiten, persönlichem Budget. Nachdenken, sacken lassen, Versäumtes bedauern, Erholung – dafür ist hinterher Zeit. Vor Ort geht es in die Vollen: erst Dachgärten aus der King-Kong-Perspektive von der Spitze des Empire State Buildings aus zählen, auf die mit gelben Punkten angefüllten Adern herabblicken. Dann Galerienbummel in SoHo, danach im Central Park mit einer Pferdekutsche sanft durchs Winterweiss schaukeln, anschliessend im Café des Nobelkaufhauses Bergdorf Goodman bei einem Latte macchiato kurz zur Ruhe kommen, gleich danach den Magnetstreifen der Kreditkarte wieder schräg gegenüber bei Saks zum Glühen bringen. Und abends vielleicht Kurt Masur am Pult der Avery Fisher Hall erleben.
Hand hoch und «Taxi!»
Sechs, sieben Arme recken sich am nächsten Vormittag fast zeitgleich am Kantstein vor den Schaufenstern des Edeljuweliers Tiffany an der Fifth Avenue in die Höhe: Taxis anhalten. Die gelben Klapperkisten drängeln sich zwischen die wartenden Stretchlimousinen der eigentlichen Zielkundschaft, rasen mit den neuen Passagieren davon. Nächstes Ziel? Das Museum of Modern Art vielleicht: ein Blick auf Picassos kubistisches Schlüsselwerk «Les Demoiselles dAvignon», einer auf Dalís kleinformatigen Klassiker mit der zerfliessenden Uhr, der davoneilenden Zeit. Weiter geht es: im Riesenkaufhaus Bloomingdales durch die Drehtür, im Levis Store Schnäppchenjeans erstehen, einmal schauen, wo John Lennon gewohnt hat, dann bei High Tea in der Lobby-Lounge des Four Seasons kurz zur Ruhe kommen – und wieder ein Taxi anhalten, hinunter zu den Bootsanlegern, für gut zwei Stunden bei einer Jacht-Cruise um die Spitze von Manhattan Lady Liberty aus nächster Nähe «Guten Abend» sagen und nebenbei an Bord nett speisen – bis die Hälfte der Gäste plötzlich das Besteck fallen lässt und zur Tanzfläche eilt. Es klingt, als sänge der Bordentertainer nach einer Melodie, die man schon mal gehört hat. Endlich tropfen seine Worte aus den Boxen: «... the city that never sleeps ...»
Anreise:
Mit Swiss (
www.swisss.com
) ab Zürich ab rund 750 Franken inkl. Gebühren. Oder mit Singapore Airlines (
www.singaporeair.com
) morgens um halb neun ab Frankfurt (inkl. Zubringer aus Basel am selben Morgen) nach New York, Ankunft bereits vor 11 Uhr am Vormittag Ortszeit, Rückflug zur maximalen Ausnutzung des Tages immer spätabends, ab 444 Franken (plus 220 Franken Gebühren).
Unterkunft:
z.B. im Four Seasons New York, pro Doppelzimmer ab rund 640 Franken pro Nacht (
www.fourseasons.com
).
Weitere Infos:
Fremdenverkehrsamt NYC & Company, Tel. 001 212 484 12 00 und 001 212 484 12 22,
www.nycvisit.com
.



























Die Welt in Bildern



















