Lenk | Pontresina | Vals

Im Lenkerhof sind die Menüs nicht einfach Pflichtstoff

29. Februar 2008, 00:48

Schweizer Ferienhotels bieten immer häufiger sehr gute und relativ günstige Halbpensionsmenüs. Ihr Marketingbudget landet in der Küche. Am meisten profitieren die Hotelgäste.

Die Menüs, die der junge Chefkoch Jan Leimbach im Lenkerhof präsentiert, sind von heute, aber nicht modisch. Gepflegt, aber ohne Kinkerlitzchen. – Das Grand Restaurant im Kronenhof Pontresina ist klassisch geblieben. – Der Rote Saal in der Therme Vals trägt Zumthors Handschrift.
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Von Claus Schweitzer

Der Lenkerhof in Lenk im Simmental ist ein Musterbeispiel. Er bietet ungekünstelt gutes Essen in gepflegter, entspannter Atmosphäre – und erst noch relativ günstig. Hier lässt sich niemand vom kulinarischen Globalismus, von den Avantgardegewittern der molekularen Hexenküche oder von Michelin-Sternen blenden.

Die Köche in den zwei Restaurants des Hauses verwenden weit gehend regionale Produkte aus kontrolliertem biologischen Anbau. Und sie können etwas. Wenn Küchenchef Jan Leimbach zum Beispiel Kartoffelgnocchi mit Baumnüssen und Lenker Berg-Bleu zubereitet, könnte man dieses Gericht zwar auch anders machen, aber nicht besser. Auch der Emmentaler Lammrücken oder der Saibling aus dem Neuenburgersee kommen ohne Schnickschnack und in höchster Geschmacksintensität auf die Teller.

Kleiner Aufpreis für ein grosses Menü

Der Hochgenuss ist vor allem für Hotelgäste sehr günstig: Der Aufpreis zum Doppelzimmer (ab 500 Franken) beträgt lediglich 40 Franken pro Person. Externe Gäste bezahlen für die gleichen Speisen je nach Anzahl der Gänge 85 bis 125 Franken. Die Diskrepanz zwischen dem Mahlzeitenpreis für Interne oder Externe ist nicht immer so gross. Dass Hausgäste dermassen profitieren, ist nicht bei allen HP-Hotels der Fall.

Praktisch alle HP-Häuser aber bieten ihr Essen generell günstig an. Sie benützen es, um sich zu profilieren: Besucher, die nur zum Essen kommen, werden von den preiswerten Menüs angelockt, Hotelgäste auf Dauer gebunden.

Das HP-Menü im grossen Hotelrestaurant Spettacolo umfasst eine täglich wechselnde Auswahl von sieben Vorspeisen, vier Hauptspeisen und zwei Desserts. Alles aromenreich und zeitgemäss bekömmlich. Für Kinder oder für Gäste, die bestimmte Produkte nicht vertragen, wird ohne Wimpernzucken ein individuelles Menü kreiert. Nach dem Hauptgang wird jeder Gast gefragt, ob er noch ein Supplément wünscht – auch wenn er sich bereits jede Einzelne der Vorspeisen einverleibt hat. Die Käseauswahl ist nach unserer Jahrzehnte umfassenden Langzeitbeobachtung zudem die beste.

Wer HP bucht, lebt sozialer

Wer im Lenkerhof Halbpension gebucht hat, kann auch das zweite Restaurant, das Oh de vie, besuchen und dort ein mediterranes Tapas-Menü geniessen (88 Franken für Auswärtige). Beide Lokale verbreiten eine trendig-heimelige Wohlfühlstimmung und hätten auch ohne Hotel drumherum Bestand. Alpiner Chic statt Speisesaal-Mief: Niemand sitzt an einer Rennstrecke, und die kompetent unaufgeregte Service-Crew verliert auch bei Vollbesetzung weder Übersicht noch Fassung.

Die Gäste werden von den Mitarbeitern wie alte Freunde begrüsst, man vertraut den Empfehlungen des Sommeliers und hat «seinen» Tisch. Das ist der einzige Nachteil: Nicht jeder Tisch ist gleich gut, und Wechseln ist nicht immer möglich.

Nach dem Essen trifft sich eine bunte Gästeschar in der Lounge: das viel beschäftigte Paar mit Kleinkind, das französische Supermodel, das für zehn Tage ausspannt, der Radsportler, der gerade eine Bergetappe hinter sich hat, und die drei älteren Münchnerinnen, die hier schon zum zweiten Mal einen Wellness-Urlaub verbringen. Die einen erzählen von der Schneeschuh-Tour, andere von der Thai-Massage, von ihrem Personal Trainer oder vom Schwefelbad. Und alle sprechen mit viel Respekt von der Küche und sind froh, dass sie nach einem Tag an der Sonne oder drinnen im Spa abends nicht das Haus verlassen müssen, um eine passende Beiz zu suchen.

Wir haben uns auf der Suche nach den besten Halbpensionsangeboten durch über 100 Schweizer Hotelrestaurants durchgegessen. Schliesslich haben wir die 25 Häuser aufgelistet, die uns punkto Küche, aber auch Ambiente und Service vorbildlich erscheinen.

Eine dynamische, abwechslungsreiche Halbpensionsküche ist schwieriger umzusetzen als ein mehr oder weniger statisches Saisonangebot im A-la-carte-Restaurant. Aufgefallen ist uns, dass viele günstige Mahlzeiten in recht stilvollem Rahmen aufgetischt wurden. Die besten Halbpensionsrestaurants finden sich nicht nur in kapitalkräftigen Luxusherbergen, sondern auch in familiengeführten Betrieben, die oft wahre Hotelperlen sind.

Die Halbpensionsrestaurants, einst Heimstätte unverwüstlicher Witwen und sich anbiedernder Kellner, können heute begehrte Orte für ein frisch gemischtes Publikum sein. Die Häuser in unserer Rangliste beweisen es. Sie setzen kulinarisch und atmosphärisch auf hohes Niveau und vertrauen darauf, dass wir, die Gäste, dies erkennen und honorieren. Im Lenkerhof & Co. schauen wir gerne mal wieder vorbei.

Lenkerhof Alpine Resort, Lenk, www.lenkerhof.ch, Tel. 033 736 36 36, DZ ab 500 Fr., HP-Zuschlag 40 Fr. pro Person, HP-Auswahlmenü für externe Gäste: 85–125 Fr.

Platz 2: Das Grand Hotel Kronenhof Pontresina

Nummer 2, der soeben für sehr viel Geld restaurierte Hotelklassiker aus der Blütezeit des schweizerischen Tourismus, ist durchweht vom Charme seiner 160-jährigen Geschichte. In den Hallen und Salons des Kronenhofs sieht, spürt und riecht man überall das vorletzte Jahrhundert. Die neuen Zimmer sind anderseits bewusst so gestaltet, dass sie sich von den originalen Bauteilen deutlich abheben. Und im brandneuen Spa mit seinem spektakulären Pool wird auf über 2000 Quadratmetern ein Designtraum entrollt.

Höhepunkt bleibt das Grand Restaurant, ein architektonisches Schmuckstück im Stil des Neubarocks und ein gediegener szenischer Rahmen für Frühstück und Diner. Ein Ort, an dem die Fantasie sich entzünden kann. Schon nach kurzem Verweilen kommt das typische Grandhotel-Gefühl auf. Man wähnt sich in einer glamouröseren Version seines normalen Ichs.

Die Auswahl der Halbpensions-Menüs ist mit rund zehn Gängen nicht uferlos, das Essen ist so lecker wie klassisch: Carpaccio vom Rindsfilet mit Rucola und Parmesan, Zandermedaillon auf mediterranen Stampfkartoffeln, Puschlaver Lammcarré in der Käse-Kräuter-Kruste auf Kürbis-Schwarzwurzel-Ragout.

Das Doppelzimmer kostet für zwei Personen ab 430 Franken, der Halbpensions-Zuschlag pro Person 35, externe Restaurantbesucher sind für 85 Franken dabei. Im Winter ist die Halbpension (bei höherem Grundpreis) obligatorisch.

Was das Hotel liebenswert macht? Dass es intim ist bei aller Grandeur. Wer es betritt, fühlt sich sofort gut aufgehoben. Bei aller Perfektion ist der Kronenhof heiter und verspielt. Er ist weder mondän noch versnobt: Hier sagt einem der Fuchs gute Nacht – im nahen St. Moritz trägt man ihn um den Hals.

Kronenhof, Pontresina; www.kronenhof.com, Tel. 081 830 30 30. DZ ab 430 Fr. HP-Zuschlag 35 Fr., HP-Menü für Externe 85 Fr.

Platz 3: Das Hotel Therme Vals

Zu behaupten, dass die Therme Vals bisher im Verborgenen blühte, wäre eine arge Übertreibung. Immerhin – das der Therme angeschlossene Hotel gehört zu den Stillen im Lande. Wer es kennt, kennt es nicht von lauten PR-Meldungen. Nach einer Gruppenzugehörigkeit sucht man vergeblich – es gehört keiner Marketingvereinigung an.

Direktorin Annalisa Zumthor arbeitet mit ihrem Mann Peter (dem Architekten, der durch die Therme berühmt geworden ist) kontinuierlich daran, den Standard des Hotels dem der Therme anzugleichen. Sie weiss, dass die Liebe des Gastes primär durch den Magen geht. Einen hohen Stellenwert hat daher die Küche.

Im Roten Saal wird den Halbpensionsgästen täglich ein sechsgängiges Auswahlmenü mit 16 Gerichten angeboten. Kostenpunkt: 58 Franken bei einem Aufenthalt ab 2 Tagen respektive 80 bis 98 Franken für Eintagesgäste. Für Gesundheitsbewusste gibt es die 1000-Kalorien-Diät, serviert in 3 Haupt- und 2 Zwischenmahlzeiten. Die Produkte kommen aus einheimischen Gärten und biologischer Tierhaltung im Valsertal. Praktisch alles wird im Haus verarbeitet.

Dem Service fehlt es zuweilen an Koordination, aber nie an Herzlichkeit. Wenn uns die Bedienung pflichtschuldigst fragt, ob es denn auch geschmeckt habe, könnten wir schwören, dass sie im Moment nichts anderes im Sinn hat als unser Wohlergehen. Da fühlt man sich endlich einmal nicht auf, sondern in den Arm genommen. Bei der Wahl der Unterkunft ist jedoch Vorsicht angebracht: Empfehlenswert sind nur die 23 Zimmer der Kategorien Provisorien und Selva Stucco – sie sind teilweise sehr klein, doch von der sicheren Hand von Meister Zumthor gestaltet.

Therme Vals, www.therme-vals.ch, Tel. 081 926 80 80; DZ ab 214 Fr., HP-Zuschl. ab 2 Tagen 58 Fr., bei 1 Tag 80–98 Fr., HP-Menü für Externe 71–110 Fr.

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