Leben

Jugendhotels

Chur: Ein Hotel mit Rasse und eingebautem Nachtleben

20. Juni 2008, 08:17

Just be nice, JBN: Die Gastrounternehmer Tom Leibundgut und Franca Stähli haben sich mit dem Jugendhotel einen Traum erfüllt. Der Name ist Programm.

Hotel JBN, Chur. – ZicZac Rockhotel, Zürich. – Backpackers Villa Sonnenhof, Interlaken. – Jugendherberge Locarno.
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Von Jonas Racine

Just be nice – ja, in diesem Hotel sind die Mitarbeiter freundlich und unkompliziert, und im ganzen Lokal ist eine lockere Atmosphäre zu spüren. Backpacker, Gruppen, Wochenendausflügler – im JBN findet jeder sein Plätzchen. Kaffeebar, hoteleigener Club, «Töggelichaschte»: Es fehlt an fast nichts.

«Wir haben unsere eigenen Erfahrungen und Erlebnisse einfliessen lassen und decken auf diese Art viele Bedürfnisse ab», erklärt Tom Leibundgut. Der Erfahrungsschatz muss ziemlich gross sein. Das JBN bietet saubere und elegant eingerichtete Zimmer und auch eine kleine Küche mit einer knappen und preiswerten Menükarte. So kompensiert das Hotel das Fehlen einer Selbstversorgerküche.

Kleine Verrücktheiten mit Nutzwert

«Wir wollen unseren Gästen einen erinnerungswürdigen Aufenthalt bieten und uns von den restlichen Hotels abheben», sagt Leibundgut. Dass dies in der Bündner Hauptstadt nicht schwer ist, gibt er zu: «Es gibt eigentlich kein Hotel, das mit unserem vergleichbar ist. Weder vom Stil her noch von den Preisen. Da haben wir unsere kleine Nische gefunden.»

Der Versuch, sich von durchschnittlichen Hotels abzuheben, ist durchwegs zu sehen und gelingt auch meistens. So fällt als Erstes gleich auf, dass die Zimmer nicht nummeriert sind – identische Fotos auf Tür und Schlüsselanhänger führen zum Ziel. Originell, da sich langes Suchen nach dem Zimmer im relativ kleinen Gasthaus erübrigt und die spannenden Abzüge der Werke von lokalen Fotografen auf der Tür und dann vor allem auch im Innern des Raumes ihre volle Wirkung entfalten. Ob sie nun spielende Strassenkinder oder einen blau beleuchteten Tunnel mit einem Fluchtpunkt im Nirwana zeigen, die wandfüllenden Bilder passen in der Farbe und von den Motiven her mehrheitlich sehr gut in die weiss gestrichenen Zimmer. Sie bilden mit anderen Aufregern wie den schwarzen Tischen oder der orangefarbenen Bettwäsche eine aufgeweckte, dynamische Atmosphäre.

Vieles ist mehr fürs Auge da

Nicht nur die Wände tragen zum lebensfrohen Erscheinungsbild bei. Der gute Mix aus simpler Gruppenunterkunft, Backpackerhotel und anspruchsvoller Bleibe fasziniert. Die Gestaltung lehne sich ans Prinzip «cheap and chic» an, sagen die Initianten. Bei näherer Betrachtung stellt man jedoch fest, dass der zweite Begriff eher zutrifft. Mobiliar, Anstrich und Details wie die Kleiderhaken zeugen von feinem Gespür für Design und das Zusammenspiel aller Faktoren, sehen jedoch gar nicht so «cheap» aus.

Zudem leidet vor lauter Chic der Komfort einiger Möbelstücke. Die Designerstühle, die in der Suite stehen, aber auch die Bänke, die sich auf den zwei Etagen mehrmals finden, gefallen zwar dem Auge. Aber auf den etwas unförmigen Teilen sitzt man nicht bequem. Und trotzdem verzeiht man dies dem JBN, denn um lange sitzen zu bleiben und zu philosophieren, sind so oder so nur die wenigsten hierher gekommen.

Im Gegenteil. Dank der hoteleigenen Selig-Tanzbar und dem lebhaften Quartier Welschdörfli, in dessen Mitte sich das JBN befindet, ist vor allem an Wochenenden sehr viel los. Unterhaltung ist in fast jeder Form vorhanden. Andere Bars, Clubs, Restaurants sind nur wenige Meter entfernt und lassen einem die Qual der Wahl, das Abendprogramm zu gestalten. Seit drei Jahren gibt es das Hotel JBN. Es hat sich in Chur etabliert. Vor allem bei Grossanlässen wie dem Churer Fest und der Schlagerparade ist das Haus ausgebucht. Leibundgut und Stähli haben ein glückliches Händchen. Zwei Churer Beizenrenner, Toms Beer Box und die Cocktailbar Schall und Rauch, gehören ebenfalls ihnen. Nun scheint auch das dritte Lokal der Extrabar GmbH (so heisst die Firma der beiden) die Gunst der Gäste erkämpft zu haben.

Hotel JBN, Chur, Mehrbettzimmer 33 Fr., DZ ab 69 Fr. (pro Person, inkl. Frühstück). Tel. 081 284 10 10; www.extrabar.ch/justbenice

Zürich: Ein Stückchen USA

Insgesamt 51 Zimmer gibt es im ZicZac Rockhotel im tiefen Zürcher Niederdorf. Ebenso viele Stars der Rockmusikzunft zieren ihre Innenausstattung. Ein faszinierender Ort für Rocker, die in Erinnerungen schwelgen, und vor allem für USA-Liebhaber, denn Stars and Stripes in allen Erscheinungsformen dominieren. Das beginnt beim Teppich mit Sternen und Gitarren, der jeden Quadratzentimeter des Hotelbodens bedeckt, und findet im Restaurant sein würdiges Ende, wo zu fetziger Musik fast ausschliesslich amerikanische Kochkunst zelebriert wird. Die rauchige Beiz mit dem alten Holzmobiliar und der langen Bar passt bestens zum Hotel.

Nordamerikanischer Einfluss prägt auch die Auswahl der Rocklegenden, denen die Zimmer gewidmet sind. Ihr Abbild ist in Form von Airbrush Paintings oder gerahmten Bildern an den Wänden, genau wie ihre CDs und Deko-Utensilien. Man wähnt sich im Zimmer eines Fans, der Tag und Nacht mit seinem Idol verbringen will. Ein kleiner Fernseher, ein Lavabo, die Dusche auf der Etage, beziehungsweise als kleine Kabine im Zimmer machen den Aufenthalt nicht direkt luxuriös, aber gemütlich, halt fast wie zu Hause.

Die beiden Häuser, in denen das Hotel einquartiert ist, passen zum Rock-Image: kein Prunk, keine goldenen Duschköpfe. Das ZicZac will ja auch kein Hollywoodhotel sein, sondern eine Hall of Fame der Gitarrengötter und Schlagzeugartisten. Dazu passen sogar die langen, kahlen Gänge und die verwinkelten Treppen, die an die Katakomben unter der Bühne eines Stadions erinnern.

Zu den Pluspunkten des Rockhotels zählt natürlich die Lage. Wer hier residiert, ist nach wenigen Schritten am See oder beim Hauptbahnhof. (rac)

ZicZac Rockhotel, Zürich. Familienzimmer (zu fünft, mit privatem Badezimmer) 320 Fr., DZ 170 Fr., Tel. 044 261 21 81; www.ziczac.ch
Interlaken: Das Klassenlager

«Villa unter den Herbergen», nennt sich die Backpackers Villa Sonnenhof und rechtfertigt dies mit dem beeindruckenden Gebäude, in dem das Hostel seit einem Jahrzehnt untergebracht ist. Der schöne Bau, ein 150 Jahre altes Chalet, wirkt mit der simplen, aber heimeligen Réception und den grossen Balkonen sehr einladend.

Das altehrwürdige Haus hat eine lange Tradition als Gaststätte. Als ehemaliges Hotel Quisisana oder als Altersheim und nun als Unterkunft vornehmlich für Rucksacktouristen und Familien, es hilft schon lange mit, den Gästen ihre geschundenen Körper und Seelen zu kurieren. Eine tolle Aussicht auf das Jungfraumassiv, ein grosser Garten und ein Meditationsraum bilden ideale Voraussetzungen für Leute, die innehalten und innere Ruhe finden möchten.

Trotzdem ist das Haus lebendig. Die Gäste preisen die familiäre Atmosphäre, die in der Villa herrscht. «Lagerstimmung», nennt sie ein Stammgast und findet es bereichernd, mit einer internationalen Gästeschar im Garten zusammenzusitzen oder in der Küche zu kochen. In der Tat: Die Villa mit dem Tischtennis im Freien, dem typisch lagermässigen Speisesaal und den klassisch einfachen Duschen erinnert an die alten Schulzeiten.

Wer vom fröhlichen Zusammensein müde geworden ist, den bitten die hellen Zimmer mit den hölzernen Kajütenbetten zu einem erholsamen Schlummer.

Trotz aller Behaglichkeit: Die Zeit nur in der Unterkunft zu verbringen, wäre schade, denn die Villa ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge ins Berner Oberland. Übernachtungsgäste profitieren von vielen vergünstigten Angeboten (Gratiseintritt im Freibad usw.) und anderen Beschäftigungsmöglichkeiten rund um Interlaken. (rac)

Backpackers Villa Sonnenhof, Interlaken. Mehrbettzimmer (6–7 Leute) 35–37 Fr., je nach Saison. DZ 49–54 Fr. pro Person, inkl. Frühstück). Tel. 033 826 71 71; www.villa.ch

Locarno: Das Hotel mit Radio

Den Jugendherbergsgast erwartet in Locarno nicht nur ein Bett. Das Programm ist vielfältig. Welche Jugendherberge kann schon eine Radiostation, ein Jugendbüro und eine Musikschule zum hauseigenen Angebot zählen?

Natürlich können die Kunden nicht damit rechnen, eine kostenlose Klavierstunde zu erhalten oder gar eine eigene kleine Radiosendung moderieren zu dürfen. Trotzdem: Die unterschiedlichen Untermieter machen das Gasthaus lebendig. Die ungezwungene Durchmischung von Einheimischen und Touristen aus aller Welt, die vor allem dank der Musikschule und dem Jugendbüro entsteht, ist ein erklärtes Ziel der Herberge und dem Ambiente nur förderlich.

Die lockere Stimmung zeigt sich unter anderem im beschaulichen Hofgarten, wo man unter Säulen und zwischen Bäumen gemütlich einen Kaffee trinken kann und wo sich stets Leute finden, die für einen Schwatz zu haben sind – auch solche vom Radio oder von der Musikschule.

Die Aufenthaltsräume sind grosszügig. Eine gut ausgestattete Selbstversorgerküche, wo Gäste mit knappem Budget ihr eigenes Süppchen kochen können, gehört ebenso dazu wie ein Seminarraum und ein Konzertsaal.

Das eher nüchtern wirkende ehemalige Haus der Profilia (wo junge Tessinerinnen aus den Tälern früher wohnen konnten, wenn sie in Locarno arbeiteten) ist seit zehn Jahren Jugendherberge. In mehreren Bauetappen ist das Haus seither benutzerfreundlich umgestaltet worden. Sanitäre Anlagen wurden verbessert, die Zimmer heutigen Erfordernissen angepasst und der ganze Komplex auf einen aus ökologischer Sicht hohen Standard gesetzt. (rac)

Jugendherberge Locarno. 4-Bett-Zimmer 35–40 Fr., je nach Saison. DZ ca. 40–55 Fr. pro Person, inkl. Frühstück. Tel. 091 756 15 00; www.youthhostel.ch/locarno

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