Via Agentur zur neuen Krone aus Polen
13. April 2007, 21:52In Warschau macht es richtig Spass, zum Zahnarzt zu gehen. Vor allem, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.
Von Gabriele Lesser, Krakau
Anflug auf Warschau. In einer Stunde soll ich dort schon auf einem Zahnarztstuhl sitzen. Erstaunlicherweise bin ich völlig ruhig. Dr. Tomasz Foik soll eine Kapazität sein und viele ausländische Patienten behandeln. Mehr weiss ich nicht. «Wird schon gut gehen», denke ich mir, prüfe ein letztes Mal, ob ich den Zettel mit allen Infos der IQ-Medica griffbereit habe und sehe aus dem Fenster: Tief unter mir liegt die Hauptstadt Polens.
«Wir treffen uns auf Terminal II»; hatte Wlodzimierz Wolszczak in seiner E-Mail geschrieben, mein Betreuer während des gesamten Aufenthaltes. «Ich werde ein IQ-Medica-Logo hochhalten, so dass Sie mich gleich erkennen können.» Doch wer am Dienstag kurz nach elf Uhr morgens nicht in der Ankunftshalle des Frederic-Chopin-Flughafens steht, ist mein Betreuer. Ich ziehe den Zettel aus der Tasche und angle nach meinem Handy. Bevor ich die polnische Nummer zu Ende eintippen kann, klingelt es aber auch schon: «Wlodek Wolszczak hier. Verzeihen Sie bitte die Verspätung», bedauert mein Betreuer in perfektem Deutsch. «Ich stecke in einem Stau fest. Aber in spätestens einer Viertelstunde müsste ich da sein.» Ich atme auf.
Von preisgünstigen Zahnbehandlungen im Ausland hatte ich schon öfter gehört, im Fernsehen Bilder von modern ausgestatteten Praxen und zufriedenen Patienten gesehen, in Zeitungen aber auch Berichte über mangelnde Qualität und Komplikationen nach der Rückreise gelesen. Tatsächlich schien mir das Hauptproblem zu sein, einen guten Zahnarzt zu finden. Wenn mir das schon zu Hause nicht gelang, wie dann erst im Ausland? Dazu die Sprachbarriere. Ich verwarf den Gedanken. Bis ich eines Tages wieder einmal in einem Wartezimmer sass und eine geschlagene Stunde darauf wartete, endlich behandelt zu werden. Das gab den Ausschlag.
Im Internet fündig geworden
Im Internet fand ich nicht nur Hunderte von Zahnärzten in Ungarn, Polen, Tschechien, Kroatien und Litauen, sondern auch Reise-Agenturen, die sich auf Medizin-Tourismus spezialisierten. Das war die Lösung: eine Agentur! Diese können nur dann erfolgreich sein, wenn Sie mit guten Ärzten zusammenarbeiten. Sonst ist ihr Ruf schnell ruiniert und das Geschäft auch. Ich schickte also eine E-Mail an mehrere Agenturen, schilderte meine Wünsche – Austausch von vier Inlays (Füllungen), Unterbringung in einem Mittelklassehotel und ein Arzt, mit dem ich Deutsch oder Englisch sprechen könnte. Schon am nächsten Tag meldete sich IQ-Medica aus Warschau zurück – in Deutsch und mit allen gewünschten Informationen.
«Nennen Sie mich einfach Wlodek,» grinst mein Betreuer mit dem unaussprechlichen Namen. «Das ist die Kurzform meines Vornamens. Pan Wlodek oder Herr Wlodek.» Er verstaut meinen Trolley im Kofferraum. «Als Erstes machen wir eine Panorama-Aufnahme von Ihren Zähnen, fahren dann in die Praxis zu Dr. Foik, und danach bringe ich Sie in Ihr Hotel und zeige Ihnen noch ein paar Geschäfte in der Nähe. Ist Ihnen das recht so?» Ich nicke. Die Termine sind alle vereinbart. Für das Röntgenbild zahle ich 27 Franken.
Das schwarze Loch überzeugt mich
Anders als erwartet, arbeitet Dr. Tomasz Foik nicht in einer Zahnklinik, sondern in seiner eigenen Praxis. «Forget about the inlays», sagt der Mittdreissiger, nachdem er das Panoramabild mit meinen Zähnen verglichen und der Assistentin in Polnisch die Diagnose diktiert hat. «Das können wir später machen», erklärt er mir wieder in Englisch. «Viel wichtiger ist die Entzündung unter dieser Krone im Unterkiefer. Die hat schon Ihren Knochen angegriffen.» Ich schaue den Arzt perplex an. Das ist mein Problemzahn, in den letzten zehn Jahren habe ich schon vier Wurzelbehandlungen über mich ergehen lassen müssen. Nun also eine fünfte Krone? Ich bin skeptisch. «Der Zahn tut gerade nicht weh», wende ich ein. Dr. Foik zuckt mit den Schultern. «Es ist Ihre Entscheidung.» Er hält mir das Panoramabild vor Augen. «Knochen sind weiss. Da wo es schwarz ist, ist kein Knochen mehr. Was sehen Sie unter diesem Zahn?» Ein schwarzes Loch. Ich bin überzeugt. Statt Inlays also die Krone.
Die nächsten Termine sind am folgenden Tag (professionelle Reinigung, danach Wurzelbehandlung) und tags darauf (erneute Wurzelbehandlung, Kieferabdruck und Sockelaufbau für die Krone). Danach erst wieder in zehn Tagen – an den Osterfeiertagen sind alles Labors geschlossen. Das bedeutet, dass ich in zwei Tagen zurückfliege und in zehn Tagen schon wieder nach Warschau kommen muss. «In Ordnung», sage ich. «Können wir beim nächsten Mal den ganzen Rest erledigen?» Er nickt: «Bringen Sie drei, vier Tage Zeit mit. Dann wird alles fertig.»
Im Wartezimmer sitzt Anna H. aus England. Die Naturwissenschaftlerin ist knapp 50 Jahre alt, hat schwarze, lange Haare und sieht gut aus – bis sie den Mund aufmacht. ausser den Schneidezähnen sind nur noch ein paar Stummel im Unterkiefer zu sehen. «Englische Zahnärzte», sagt sie bitter. «Ich lasse jetzt hier alles neu machen. Implantate und eine Prothese.» Sie holt ein Foto von sich aus der Tasche. Mit gequältem Lächeln und Zähnen, die in wildem Auf und Ab nebeneinander stehen. «Das sollte natürlich aussehen, meinte mein Zahnarzt in Birmingham. Gott sei Dank hielt die Prothese nur zwei Monate. Aber ganz ohne Zähne – das ist entsetzlich!» In Polen ist sie nun schon zum dritten Mal. In den nächsten sechs Monaten wird sie noch einige Male kommen müssen, bis die Implantate gut eingewachsen sind und die Prothese halten können. Die meisten Patienten von IQ-Medica sind Engländer, Zeitungsberichte an der Wand bezeugen es. Auch Anne H. fand die Agentur übers Internet. «Freunde, die schon vor mir inPolen waren, haben mir den Tipp gegeben. Und seit es die Billigflieger gibt, ist die Entfernung ja auch kein Problem mehr. Zwei Stunden, und ich bin da».
Pan Wlodek bringt mich ins Hotel. Ich habe mir aus der Agentur-Liste das Apartment-Haus Zgoda ausgesucht. Es liegt mitten im Zentrum Warschaus, nicht weit von der Praxis und nur einen Katzensprung vom Warschauer Kulturpalast entfernt. Sollte ich nach der Behandlung am Abend niemand sehen wollen, könnte ich mir in der kleinen Küche selbst etwas zubereiten. Oder von hier aus leicht ein Restaurant finden und gleich die Stadt ein bisschen erkunden. Wie sich später zeigt, war das genau die richtig Wahl.
Auf dem Rückflug drei Tage später ziehe ich Bilanz: Röntgenaufnahme, professionelle Reinigung, Wurzelbehandlung und Procera-Keramik-Krone kosten zusammen knapp 1500 Franken, dazu zwei Übernachtungen a 112 Franken, der Flug 267 Franken, Essen, Postkarten und ein Reiseführer knapp 80 Franken. Zusammen sind das 2071 Franken. Ich bin zufrieden. Und in zehn Tagen heisst es dann wieder: Anflug auf Warschau.%perl>
Tipps und Infos
Allgemein zum Zahn-Medizin-Tourismus
www.zahnarzt-planet.com
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www.treatmentabroad.net/cosmetic-dentistry-abroad/poland/clinics
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Polnische Agenturen
IQ-Medica (Warszawa/Warschau)
www.iqmedica.com
; Euromeditraval (Wroclaw/Breslau)
www.euromeditravel.com
; Godenta (Gdansk/Danzig)
www.godenta.de
; Haas-Zahnklinik (Szczeczin/Stettin)
www.hahs-dental.de
; Simply-Dental (Vermittlung zu Zahnärzten in sieben Orten Polens)
www.simply-dental.de/sd
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Literatur
Reiseziel: Zahnersatz, von Horst Jahns, Bielefeld 2005 ISBN: 3-817-1384-7.





































































































































































