Bizarrer Komet begeistert Sterngucker
08. November 2007, 05:00Sobald es dunkel ist, wird Komet Holmes bei klarem Himmel für jedermann mit blossem Auge sichtbar. Mit einem Feldstecher erkennt man eine Staubwolke.
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- Komet leuchtet wie ein heller Stern
Es sei das verrückteste neue Objekt, das zu unseren Lebzeiten am Himmel aufgeleuchtet habe, schreibt die Zeitschrift «Sky and Telescope» im Internet – «der seltsamste Komet». Vor zwei Wochen explodierte der zuvor unscheinbare Komet 17P/Holmes und wurde eine Million Mal heller. Plötzliche Kometenausbrüche wurden zwar schon früher beobachtet, doch in den letzten hundert Jahren erreichte keiner diese Grössenordnung.
Nun ist Komet Holmes bei klarem Nachthimmel selbst bei «lichtverschmutzter» Umgebung zu sehen. Von blossem Auge erkennt man einen Stern mit ein wenig diffuser Gestalt, der etwas weniger hell ist als der Polarstern. Doch schon mit einem einfachen Feldstecher sieht man deutlich eine fast kreisrunde Scheibe – die Staub- und Gaswolke, die vom Kometenkern bei der Explosion freigesetzt wurde und nun von der Sonne beleuchtet wird.
Himmlische Überraschung
Die Wolke breitete sich Anfang November bereits über 2 Millionen Kilometer aus. Von uns aus gesehen habe sie den halben Durchmesser der Vollmondscheibe erreicht, schrieb das Fachblatt «Sterne und Weltraum» online. «Ein grandioser Anblick!» Dies sei eine wahrhaft himmlische Überraschung, kommentiert der amerikanische Astronom Paul Lewis.
Kometen sind Relikte aus der Frühzeit unseres Sonnensystems, das vor rund 4,6 Milliarden Jahren entstanden ist. Sie bestehen überwiegend aus Staub und Eis. Laien erkennen Kometen vor allem an ihrem Schweif, der Millionen Kilometer lang sein kann. Dieser bildet sich aber erst, wenn sich der Himmelskörper der Sonne nähert. Dann verdampfen Staubkörner und gefrorene Gase an der Oberfläche des Kometenkerns und bilden eine so genannte Koma. Kommt der Komet auf seiner Bahn der Sonne näher als der Planet Mars, werden Teile der Koma durch den Strahlungsdruck und den Sonnenwind in Form eines Schweifs weggeblasen.
Komet Holmes bewegt sich aber jenseits der Marsbahn. Er ist zurzeit fast 400 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, 2,5-mal so weit wie die Erde. Niemand wunderte sich deshalb, dass anfänglich kein Schweif auszumachen war. Die neuesten Bilder zeigen nun aber, dass sich in den letzten Tagen doch ein bläulich schimmernder Gasschweif gebildet hat. Das sei eine Überraschung, urteilt «Sterne und Weltraum». Der Gasschweif entsteht, wenn der Sonnenwind auf geladene Teilchen in der Kometenhülle trifft und diese von der Sonne wegbläst.
Vergleich mit Ausserirdischen
Der eigenartige Himmelskörper regt offenbar die Fantasie der Beobachter an. «Quallenkomet» taufte ihn der italienische Astronom Paolo Candy. Denn der Komet habe einen grünen Kopf und blaue Tentakel. Doug Zubenel aus Kanada vergleicht ihn gar mit Ausserirdischen aus einer Fernsehserie, die in den 1960er-Jahren gezeigt wurde. Darin fanden Astronauten auf dem Mond eine weisse Kugel mit hochintelligenten Wesen. Die Ähnlichkeit mit Komet Holmes sei «verblüffend».
Die Details im Schweif beweisen laut Fachleuten, dass es sich bei der Explosion um ein komplexes Ereignis handle. Zurzeit beobachten Astronomen den Kometen im Infrarotbereich mit einem Grossteleskop auf Hawaii. Erste Resultate zeigen, dass das Objekt noch immer aktiv Gas ausstösst. Das meiste davon sei Wasserdampf, berichten die Forscher. Sie registrierten aber auch Spuren von Ethan, Azetylen und Blausäure.
Der Auslöser für die Explosion ist jedoch nach wie vor unbekannt. Vielleicht stiess der Komet mit einem Asteroiden zusammen, vermuten die Experten. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich unter einem Teil der Oberfläche Gas ansammelte und die Oberfläche schliesslich zerriss.
Entdeckt wurde der Komet im November 1892 vom britischen Astronomen Edwin Holmes. Bereits damals nahm seine Helligkeit zu, wenn auch weit weniger dramatisch als jetzt. Nach ein paar Wochen verblasste er, im Januar 1893 wurde er erneut heller. Komet Holmes umläuft die Sonne in knapp sieben Jahren. Im vergangenen Mai passierte er den sonnennächsten Punkt auf seiner Bahn. Er verhielt sich unauffällig, bis am 24. Oktober frühmorgens ein spanischer Amateurastronom bemerkte, dass das Himmelsobjekt viel heller war als erwartet. Astronomen in den USA und Japan verfolgten daraufhin, wie seine Helligkeit innert Stunden weiter zunahm.
Wie lange der sonderbare Himmelskörper noch so gut sichtbar sein wird, weiss niemand. In den vergangenen Tagen habe seine Helligkeit kaum abgenommen, berichten die Beobachter. Und die Chancen stehen laut «Sky and Telescope» gut, «dass Komet Holmes noch mindestens zwei Wochen anständig hell bleiben wird».
www.skyandtelescope.com
www.spaceweather.com
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So finden Sie Holmes am Himmel
Das ungewöhnliche Objekt sei am Nachthimmel einfach aufzuspüren, erklärt die Zeitschrift «Sky and Telescope»: Gehen Sie nach dem Nachtessen hinaus und blicken Sie nach Nordosten. Hoch am Himmel sehen Sie das W-förmige Sternbild Kassiopeia. Rechts unten, bei ausgestrecktem Arm etwa anderthalb Faustbreiten entfernt, befindet sich der helle Stern Mirfak im Sternbild Perseus, darunter steht Komet Holmes. Später am Abend leuchtet er höher am Himmel, zwischen 0 und 2 Uhr befindet er sich in der Nähe des Zenits direkt über uns. (bva)
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