Wissen

Komet Holmes ist das grösste Objekt im Sonnensystem

21. November 2007, 05:00

Die Sonne ist kleiner als bisher angenommen, und jetzt hat sie sogar ein Komet überholt.

Die Staub- und Gashülle des Kometen Holems ist grösser als die Sonne.
1/2
Von Barbara Vonarburg

Komet Holmes ist grösser geworden als die Sonne. Das melden Astronomen auf Grund von Beobachtungen mit einem kanadisch-französischen Teleskop auf Hawaii. Der Durchmesser der Kometenhülle, der so genannten Koma, beträgt 1,4 Millionen Kilometer – etwas mehr als der Sonnendurchmesser. Im Oktober war der Komet plötzlich fast eine Million Mal heller geworden. Man sah ihn von blossem Auge am Nachthimmel. Nun ist er schwieriger zu beobachten, da die Koma diffuser wird und das Streulicht des zunehmenden Mondes stört. Mit einem Feldstecher oder Teleskop ist die riesige Wolke aber immer noch gut sichtbar.

In früheren Jahrhunderten galten Kometen als Unglücksboten. Doch von Holmes droht uns keine Gefahr. Der Komet ist zurzeit 240 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Zum Vergleich: Die Distanz von uns zur Sonne beträgt rund 150 Millionen Kilometer. Und natürlich sei die Sonne nach wie vor das weitaus schwerste Objekt im Sonnensystem. Sie enthalte über 99,8 Prozent der Masse des gesamten Systems, schreibt die Fachzeitschrift «Nature online». Im Vergleich dazu sei das Gravitationsfeld des Kometen vernachlässigbar, zitiert «Nature» den britischen Experten Paul Roche von der Cardiff University. «Das sind nur ein paar Schneeflocken pro Kubikmeter.»

Kern aus Eis und Staub

Man weiss heute, dass Kometen eine Art schmutzige Schneebälle sind. Sie bestehen vor allem aus Wasser- und Trockeneis, verbunden mit Staub und kleinen Gesteinsbrocken. Der feste Kern von Komet Holmes hat einen Durchmesser von nur knapp vier Kilometern. Selbst das Hubble-Weltraumteleskop erkennt keine Details, die genauere Erkenntnisse ermöglichen. Die spektakuläre Koma bildete sich, als aus dem kleinen Kern explosionsartig Material ins All geschleudert wurde. Die Expansionsgeschwindigkeit betrage nach wie vor 0,5 Kilometer pro Sekunde, berichtet Rachel Stevenson von der Universität von Hawaii.

Ähnlich imposant wie Komet Holmes wurde im Jahr 1997 Hale-Bopp und 1988 Halley. Auch sie waren grösser als die Sonne. Deren Durchmesser beträgt rund 1,39 Millionen Kilometer. Das entspricht etwa 109 Mal dem Erddurchmesser. Der genaue Wert war bisher umstritten. Denn Messungen mit zwei verschiedenen Methoden hätten unterschiedliche Werte geliefert, sagt Margit Haberreiter vom Weltstrahlungszentrum in Davos. Sie und ihre Kollegen kommen jetzt zum Schluss, dass der niedrigere Wert der richtige ist. Der Sonnendurchmesser ist damit rund 660 Kilometer kleiner, als bisher vielfach angenommen wurde. Dies berichten die Davoser Forscher in einer noch unveröffentlichten Arbeit, die sie bei der Fachzeitschrift «Astrophysical Journal Letters» eingereicht haben.

Oberflächenwellen auf der Sonne

Die Sonne ist ein heisser Gasball und hat keine feste Oberfläche. Um den Sonnenradius zu bestimmen, messen Astronomen die Distanz zwischen dem Zentrum und dem Rand der Sonnenscheibe, wo die Helligkeit plötzlich abfällt. Das sei eine sehr alte Methode, erklärt Haberreiter. Neu dagegen ist eine zweite Methode, die sich auf die Tatsache stützt, dass es auf der Sonne Oberflächenwellen gibt. Man könne sich diese Wellen ähnlich wie Ozeanwellen vorstellen, sagt Haberreiter. Das Signal ist allerdings sehr schwach und kann nur mit Satelliten vom Weltraum aus gemessen werden. Vor allem die europäisch-amerikanische Sonde Soho liefert entsprechende Daten. Weil die Oberflächenwellen vom Sonnenradius abhängen, lässt sich dieser auf Grund der Wellenbeobachtung bestimmen.

Warum die beiden Methoden unterschiedliche Werte liefern, haben die Davoser Forscher nun herausgefunden. Mit Hilfe von Computerberechnungen bestimmten sie, wie sich das Licht in der Sonnenatmosphäre ausbreitet. Resultat: Der Punkt am Sonnenrand, an dem die Helligkeit plötzlich abfällt, liegt etwas höher in der Sonnenatmosphäre als die Stelle, an der die Scheibe undurchsichtig wird und wo die Oberflächenwellen auftreten. Theoretische Sonnenmodelle, die auf dem falschen, grösseren Radius beruhen, müssten nun korrigiert werden, schliessen die Wissenschaftler daraus. Sie erhoffen sich davon ein besseres Verständnis des Sonneninneren.

Meistgelesen in der Rubrik Wissen

Lokale Suche

Marktplatz

Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?

Ja, auf jeden Fall

 
15.1%

Nein, interessiert mich nicht

 
40.2%

Erst wenn die Geräte billiger geworden sind

 
35.1%

Ich habe schon einen

 
9.7%