Instantglück für alle: Einfach die Welt verändern
16. Februar 2006, 20:51«Einfach die Welt verändern» heisst der Bestseller, den es nun auf Deutsch gibt. Das Buch hilft, unser Leben zu verbessern.
Von Katrin Hafner
Das ist nichts für schlaue Skeptiker und helle Hinterfrager. Das ist ein Plädoyer für ein Weltverbesserungsbuch. Frei von Ironie – und zwar bewusst. «Einfach die Welt verändern. 50 kleine Ideen mit grosser Wirkung» liesse sich mühelos als naiv kritisieren. Aber es ist eben doch einfach zu gut, um dies zu tun.
Vor anderthalb Jahren ist es auf Englisch erschienen, jetzt liegt es auch auf Deutsch vor. Weltweit ist das Buch über 350 000-mal verkauft worden, in den australischen Schulen ist es mittlerweile Pflichtlektüre, der «Stern» hat jüngst eine Titelgeschichte daraus gemacht, und nun kommt die Schweiz auf den Geschmack: Demnächst findet im Zürcher Kaufleuten die Buchvernissage statt – mit der Miss Schweiz und dem Zürcher Stadtpräsidenten, mit Schauspielerin Yangzom Brauen und Autorin Judith Giovanelli-Blocher.
Zeitgemässes Carpe Diem
Die Botschaft des Buches ist simpel. «Einfach die Welt verändern» sagt: Du kannst in kleinen Schritten Grosses bewirken, kannst mit banalen Aktionen im Alltag die Welt positiv verändern. Und das sofort. Zum Beispiel, indem du – das Duzen ist Programm – den Kaugummi in den Mülleimer statt auf den Boden wirfst und somit die Kosten fürs Wegkratzen sparen hilfst (in Deutschland könnte man jährlich 900 Millionen Euro sparen und damit 5 Spitäler bauen oder 20 000 Lehrer einstellen). Oder indem du das Licht ausschaltest, wenn du es nicht brauchst, deine alte Brille recyclen lässt, jemandem ein Lächeln oder ungelesene Bücher schenkst. Und das Leben geniesst.
Eine Art zeitgemässes Carpe Diem also, die konkretisierte Formel «Denke global, handle lokal» – gewürzt mit dem Feel-Good-Faktor. Die Ideen sind nicht ganz neu, dafür pragmatisch und frei vom Jute-statt-Plastik-Mief. «Mach es dir nicht zu schwer», steht in einem der 50 Vorschläge. Aber mach etwas, ruft das Buch zwischen den Zeilen – und sei es scheinbar noch so bedeutungslos. Denn Veränderungen beginnen im Kleinen. Sich darüber Gedanken zu machen, ist der erste Schritt. «Verbringe Zeit mit einer anderen Generation» rät Aktion Nummer 14. Tipp 27: Lass jemanden sitzen, biete deinen Platz an. So beginne manch nettes Gespräch, und zudem sehe man stehend mehr und wirke erst noch schlanker.
Ethisches Handeln wird wieder sexy
Sie kommen im richtigen Moment, im richtigen Tonfall, diese Vorschläge. Globalisierung, Multioptionalität und Überangebot an Waren und Dienstleistungen überfordern und frustrieren uns; wir möchten etwas unternehmen gegen Terror, Umweltkatastrophen und die eigene Passivität, wissen aber nicht, wo anfangen. Die No-Future-Stimmung und die Geiz-ist-Geil-Haltung haben wir gesehen, von Konsumrausch und radikaler Anti-Shopping-Haltung sind wir auch etwas müde. Der Reiz liegt jetzt im immateriellen Mehrwert. Und das vermittelt dieses kleine Buch grossartig. Es macht ethisches, soziales und ökologisches Handeln wieder sexy – und zeigt, dass dies nicht mit Geldspenden oder Freiwilligenarbeit geschehen muss. Der Kick besteht vielmehr darin, etwas zu tun, ohne sein Leben komplett umzukrempeln. Sich weder von Marken noch von Ideologien zu leiten, dafür nach gesundem Menschenverstand zu agieren, Verantwortung zu übernehmen und dabei erst noch Spass zu haben.
Initiant des Buches ist David Robinson, Sozialarbeiter im Londoner Stadtteil Eastend. Vor vier Jahren hat er «We are what we do» gegründet, eine unabhängige Nonprofit-Bewegung, die Menschen inspirieren will, mit ihren täglichen Handlungen die Welt zu verbessern. Damit traf er den Zeitgeist; heute wächst die Bewegung weltweit. «Nach der Wir-Gesellschaft stand die Ego-Gesellschaft im Zentrum, nun kommt die Ich-und-wir-Gesellschaft», sagt Soziologin Karin Frick vom Gottlieb-Duttweiler-Institut. Fair-Trade-Produkte und positives Denken sind wieder angesagt. Meinungsumfragen zeigen: Konservative Werte wie Gesundheit, Umwelt und Sinnhaftigkeit sind wichtig, aber auch das eigene Wohlergehen. Psychologen bestätigen: Das Gefühl, sich zu engagieren und Einfluss zu haben, macht uns zufriedener und ist zum Beispiel Basis in der Suchtprävention. Die Zürcher Suchtprävention unterstützt die Bewegung denn auch.
Und was macht der Zürcher Pendo-Verlag mit dem Gewinn aus dem Verkauf des auf Deutsch übersetzten Buchs? Der fliesse zurück in die «We are what we do»-Bewegung, sagt Barbara Stengl vom Pendo-Verlag. Dort entstehen neue Welt-Veränderungs-Bände – derzeit einer für Kanada; Afrika ist auch in Planung. Im Internet geben täglich Hunderte ihre Tipps, wie die Welt zum besseren Ort und wir glücklicher werden. Ganz im Sinne von Gandhi, der einst sagte: Sei die Veränderung, die du dir für die Welt wünschst.
Vernissage: 12. März, 14.30 Uhr, Kaufleuten Zürich. Buch: Einfach die Welt verändern. 50 kleine Ideen mit grosser Wirkung. Pendo-Verlag, Zürich, 2006. Fr. 12.90. Infos: www.wearewhatwedo.de .




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