Die interaktive Trickkiste der Finanzjongleure

15. März 2008, 05:00

Börsengeschäfte sind heute sehr kompliziert. Ein raffinierter Bildschirm macht vieles deutlicher. Im Parcours des Wissens der Uni Zürich wird er erstmals öffentlich präsentiert.

Thorsten Hens und Marc Oliver Rieger.
Thorsten Hens und Marc Oliver Rieger.

Von Walter Jäggi

Man kann natürlich einfach Aktien kaufen und darauf hoffen, ihr Kurs entwickle sich so, dass der Wert steigt. Die Finanzfachleute haben aber längst ausgeklügeltere Formen der Geldanlage entwickelt. Die so genannten strukturierten Produkte zum Beispiel sind Geldanlagen im Konjunktiv. Das Resultat ist an viele Wenn und Aber geknüpft. Beispielsweise an einen Börsenindex, an Zinssätze oder an Währungskurse. Der Anleger kann wählen, ob er grosse Risiken eingehen will oder lieber auf Sicherheit achtet – und dabei auch einmal auf einen möglichen Gewinn verzichtet. Nur etwas geht nicht: grösstmögliche Sicherheit bei grösstmöglichen Gewinnchancen.

Wenn man als kleiner Anleger zum Fachmann der Bank geht, riskiert man, mit einer Flut von Fachausdrücken konfrontiert zu werden: Put und Call, Knock-In und Knock-Out, Maximalrendite und Minifuture. Was den Laien interessiert, ist freilich vor allem, welche Folgen seine Entscheidung für die eine oder andere Form der Geldanlage hat.

Wäre man Millionär geworden?

Unter der Leitung von Thorsten Hens und Marc Oliver Rieger haben im Swiss Design Institute for Finance and Banking Finanzfachleute des Instituts für schweizerisches Bankwesen, Informatiker des Instituts für Informatik und Gestalter von der Zürcher Hochschule der Künste einen so genannten Multitouch-Table entwickelt, der im Parcours des Wissens erstmals öffentlich präsentiert wird. Der Tisch ist eigentlich ein Bildschirm mit Berührungssteuerung. Die Idee ist, dass der Finanzberater die Grafik auf dem Bildschirm vor den Augen des Kunden und nach dessen Wünschen in Echtzeit umbaut. Ein bisschen mehr Risiko: Anfasspunkt nach oben. Aber kein Totalverlust: Anfasspunkt nach unten. Am Ende sind die gewünschten Randbedingungen in eine mehr oder minder komplexe Kurve verpackt. Mit diesen Angaben kann der Rechner unter dem Tisch nun ermitteln, was aus einer Geldanlage mit den definierten Voraussetzungen geworden wäre. Je nach Wunsch vergleicht er das hypothetische Produkt mit der echten Situation in einem bestimmten Zeitraum. Und da sieht der Anleger dann anschaulich in zwei Kurven, ob sein Geld sich vermehrt hätte oder nicht. Leider funktioniert das nur mit historischen Daten - in die Zukunft zu blicken, ist auch den Zürcher Finanzwissenschaftlern und Informatikern noch nicht gelungen.

Immerhin kann die interaktive Darstellung, bei der (drum heisst es Multitouch-Table) mehrere Faktoren gleichzeitig verändert werden können, anschaulich machen, wie sich ein Plan A von einem Plan B unterscheidet. Für den Anlageberater ist es ein Werkzeug, mit dem er zusammen mit dem Kunden festlegen kann, wie dessen Geld eingesetzt werden soll. Anschliessend muss er die konkreten Finanzprodukte zusammenstellen, deren Auswahl sehr gross ist. Alle Geheimnisse der strukturierten Produkte enthüllt der Tisch nicht, aber der Anleger kann doch besser ermessen, worauf er sich einlässt.

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