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Das Aktuellste auf dem Wellness-Markt: Gestylt vor sich hin floaten

04. Dezember 2007, 05:00

Floaten ist die Steigerungsform von Wellness: Entspannen ohne Sinneseindrücke, in einer gedeckten Salzwasserwanne. Das erste Float-Center ist offen.

Wenn der Deckel schliesst, werden äussere Sinneseindrücke ausgesperrt.
Wenn der Deckel schliesst, werden äussere Sinneseindrücke ausgesperrt.
Von Katrin Hafner

Was nützt mir das grün leuchtende Fluchtschild über der Tür, wenn ich in der Wanne gefangen bin? Der Anblick des Floating-Tanks, wie die überdimensionierte Badewanne genannt wird, löst Unbehagen aus. Darin soll ich eine Stunde im 35 Grad warmen Salzwasser tümpeln, mit geschlossenem Deckel. Wellness im Sarg sozusagen. Aber Oscar Trott, Initiant und Besitzer des ersten Float-Centers der Schweiz in Zürich, beruhigt. Das Dach könne ich jederzeit per Knopfdruck öffnen, und wenns sein müsse, den Notfallknopf in Anspruch nehmen. Und, ja, er könne auch von seinem Kommandopult aus in der Lobby den Deckel heben oder via Gegensprechanlage Kontakt aufnehmen. In den Raum kommen wird er aber nicht. Das sei ja die Idee: absolute Intimität, Privatsphäre pur. Ich nicke, er schliesst die Tür, ich muss jetzt floaten.

Also steige ich in die Wanne, lege mich ins Wasser, besser: aufs Wasser. Knatternd senkt sich auf Knopfdruck der Deckel. Das rote Lichtlein lasse ich brennen. Jetzt voll auf die «positiven Auswirkungen» konzentrieren, die der neuste Entspannungs-Hype mit sich bringen soll. Besonders gespannt bin ich auf die «Synchronisation der Gehirnhemisphären» und die «deutliche Reduzierung von stressbezogenen Biochemikalien», die der Prospekt als «wissenschaftlich nachgewiesene Nutzungs- und Wirkungsmöglichkeiten» auflistet. Erste Feststellung: Es ist gar nicht so schlimm. Zweitens: eher wohlig angenehm. Das Wasser ist gleich warm wie die Hautoberfläche und derart salzhaltig, dass ich zu schweben glaube. Nach einer Weile löst sich der Krampf im Nacken. Hören tue ich nur meinen Atem. Und, was eine Premiere ist: das Geräusch meiner Wimpern, wenn ich blinzle. Nicht schlecht, diese Erfahrung.

Weg von der Esoterik-Schiene

Floating ist nichts Neues. In den 50ern entwickelte der amerikanische Neurologe John Lilly den ersten Isolationstank; später erlebte die Wunderwanne unter dem Namen Samadhi-Tank einen Boom - vor allem Esoteriker wagten sich in die Solebad-Kapseln und schwärmten von diesem künstlichem Mutterbauch. Neu ist, dass sich nun ein Center eigens auf diese Erholungsmethode konzentriert, und zwar in gestylter Day-Spa-Manier. Von London, Amsterdam und Barcelona kommt der Trend, in Deutschland findet man bereits in jeder grösseren Stadt Floating-Center. Als Partner der Deutschen Floatzero GmbH haben Oscar Trott und seine Frau Sabine Riess nun das erste Center in der Schweiz eröffnet. Sie möchten «die in der Stadt herumhüpfenden, gestressten Menschen» ansprechen, keineswegs nur Meditationserprobte. «Wir wollen weg von der Eso-Schiene!»

Das Konzept könnte aufgehen. Der ehemalige Kinosaal beim Zürcher Bahnhof Wipkingen ist architektonisch clever umgebaut: eine Lounge zum Entspannen vor und nach dem Floaten, viel Weiss, dezentes Licht, dunkle Böden, Blumen in Vasen. Schlichter Lifestyle, wie man ihn aus Mehrstern-Hotels kennt.

Floaten ist die Steigerungsform von Wellness. Nach Hotstone-, Schlamm- und Heutherapien, Saunen, Hamams und Dampfbädern bleibt als neues Wohlfühlrezept nur die komplette Reduktion: Reiz- und Eindrucksloses Sein. Kein Masseur ist da, kein Geräusch, kein Licht. Nur ich. Und ich verliere den Sinn für Zeit, die Kontrolle über die Gedanken und gar das Gefühl für meinen Körper – das muss die gepriesene Schwerelosigkeit des Floatens seins. Ich zucke mit der linken Zehe, doch, sie ist noch da, und drifte mental wieder weg. Traumbilder, Gedankenfetzen und eine wortlose Stille. Langweilig ist es nicht.

Science-Fiction-Stimmung

Zurück holt mich blinkendes Licht. «Wenn ich Signal gebe, merkst du, okay, der Float ist vorbei», hatte Oscar angekündigt. Ich drücke den Deckel-Knopf, entsteige der Wanne. Von Geisterhand schliesst sie sich hinter mir, gurgelt. Es wird der Floatmeister in der Kommandozentrale sein, der die Science-Fiction-Stimmung herbeizaubert. Das Salz auf meiner Haut spült die Dusche weg, der Steinboden wärmt meine Füsse. Zurück auf der Erde.

Eine Stunde war ich weg, am Floaten und, es stimmt, der Erholungseffekt ist nicht viel kleiner als nach einem teuren Wellness-Wochenende, nicht so gross aber wie guter Schlaf. Eine Art McWellness: Subito-Reizreduktion und Ruhe konsumieren. Passt doch prima in unsere Zeit.

Float Zürich, Röschibachstrasse 71, Tel. 044 201 34 40, www.float-schweiz.ch , tägl. 10-22 Uhr, 1 Std.: 130 Fr., Doppelfloat (im offenen Becken, für zwei Pers.): 220 Fr.

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