Die helfende Hand von Mensch und Tier
03. März 2006, 20:58Kleinkinder und Schimpansen zeigen beide kooperatives und altruistisches Verhalten die Primaten allerdings weniger ausgeprägt.
Keine Spezies im Tierreich kooperiert wie wir Menschen. Zwar machen etwa Schimpansen in der Gruppe Jagd auf kleinere Affen, treiben sie in die höchsten Baumwipfel und schneiden ihnen da den Weg ab. Wie weit diese Kooperation aber ein aktiver kognitiver Prozess ist, bei dem sich die einzelnen Individuen ihrer Position innerhalb der Gruppe bewusst sind, ist schwierig zu sagen.
In einem Versuch mit Schimpansen in Halbgefangenschaft konnten nun aber deutsche Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig zeigen, dass unsere nächsten Verwandten im Tierreich stärker miteinander zusammenarbeiten als bisher vermutet. Die Forscher fanden, dass Versuchstiere von ihren Artgenossen nur Hilfe anforderten, wenn sie die ihnen gestellte Aufgabe alleine nicht lösen konnten. Mehr noch: Hatten sie die Wahl, mit wem sie zusammenspannten, wählten sie jenen Partner aus, mit dem sie auch sicher zum Ziel kamen. «Niemals zuvor haben wir bei Tieren ein so hohes Mass an Verständnis für kooperatives Handeln festgestellt», erklärt die federführende Wissenschaftlerin Alicia Melis. Das amerikanische Magazin «Science» berichtet in seiner heutigen Ausgabe über die hilfsbereiten Schimpansen (Bd. 311, S. 1297).
Für kooperatives Verhalten interessieren sich auch die beiden Leipziger Forscher Felix Warneken und Michael Tomasello («Science», Bd. 311, S. 1301). Sie untersuchten, wie weit 18 Monate alte Kleinkinder Erwachsenen helfend zur Hand gehen. Liess der Versuchsleiter etwas zu Boden fallen und griff vergeblich danach, war die Bereitschaft zu helfen seitens der Kleinkinder grösser, als wenn der Gegenstand absichtlich fallen gelassen wurde. Auch in schwierigeren Situationen erkannten die Kleinen zuverlässig, wenn ihre Hilfe gebraucht wurde.
Die Forscher untersuchten auch, wie sich junge, in menschlicher Obhut aufgezogene Schimpansen in einer ähnlichen Situation verhalten würden. Streckten sich ihre menschlichen Bezugspersonen etwa vergeblich nach einem Gegenstand, halfen ihnen die Schimpansen, diesen zu erreichen. Bei komplizierteren Versuchsanordnungen aber, in denen die Gegenstände nicht direkt zugänglich waren, zeigten sich die Schimpansen nicht mehr kooperativ.
Sowohl Kleinkinder als auch junge Schimpansen zeigen demnach altruistisches Verhalten. Beim Menschen war die Bereitschaft zu helfen allerdings ausgeprägter. Zudem hatten die Kleinkinder weniger Schwierigkeiten als die Primaten, das Problem ihres Gegenübers zu erkennen und die zur Lösung notwendige Strategie auszuwählen.
Der Versuch lege aber nahe, schreiben die deutschen Wissenschaftler in «Science», dass bereits der gemeinsame Vorfahre der Menschen und der Schimpansen über ein wenigstens rudimentäres Set von hilfreichen Verhaltensweisen verfügte.




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